Erstellt am 13. April 2016, 06:14

von Michaela Fleck-Regenfelder

Nicht mehr wegschauen. Hilde Dalik, Theater- und Filmschauspielerin aus Gießhübl, im Gespräch mit Michaela Fleck.

 |  NOEN, ingo pertramer

NÖN: Nächsten Mittwoch sind Sie mit „Romeo und Julia freestyle“ in der St. Pöltener Theaterwerkstatt zu Gast. Was gibt’s da zu sehen?

Dalik: Ein Theaterstück mit der Geschichte und den Texten von Shakespeare. Aber es gibt auch Texte, die wir selbst erarbeitet haben. Es gibt ganz viel Musik und ganz viel Tanz.

Der Titel klingt ja auch mehr nach Breakdance als nach Shakespeare.

Dalik: Wir haben coole akrobatische Sachen. Wir haben auch HipHop und Breakdance. Und wir haben eine Band mit einem Harmonium und einer afghanischen Tabla.

Das Besondere an Ihrem Projekt ist ja nicht nur die Form. Sondern vor allem die Besetzung. Zwölf junge Flüchtlinge plus eine Schauspielerin – wie kam das? Wie geht das?

Dalik: Ich war vor drei Jahren im Laura-Gatner- Haus in Hirtenberg, wo minderjährige Flüchtlinge betreut werden. Ich wollte etwas machen, und ich war neugierig auf diese Menschen. Nach einem Theaterworkshop wollten einige unbedingt spielen. Da hab’ ich auf die Schnelle ein Konzept gemacht. Inzwischen gibt es einen Verein, und mit dem wollen wir unbedingt weitermachen. Ich bin sehr berührt von diesen Jugendlichen, sie haben mich inspiriert.

Allein durch Ihre Darsteller wird Theater ja auch Politik. Muss es das? Und warum ist für Sie „die Zeit der Unschuld vorbei“, wie Sie bei der heurigen Filmpreisgala gesagt haben?

Dalik: Theater macht das sowieso. Obwohl der Zeigefinger jetzt nicht meine Herangehensweise ist. Aber wir können nicht mehr wegschauen. Die Geschichten sind zu uns gekommen. Einer der afghanischen Flüchtlinge hat mir zu „Romeo und Julia“ gesagt: „Hilda, das ist ja eine afghanische Geschichte!“

Gespielt haben Sie Shakespeares Julia nie. Jetzt haben Sie sie inszeniert. Wie war das?

Dalik: Ich wollte ja als Kind Filmregisseurin werden. Es ist noch mal mehr Arbeit! Ich hab’ das Gefühl gehabt, dass ich jeden Tag etwas dazulern’. Ich spiel’ auch irrsinnig gern. Aber mit 37 möchte ich mir die Stücke aussuchen.

Was wollen Sie noch verwirklichen?

Dalik: Da gibt’s viele Sachen, die ich noch machen möchte …

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