Erstellt am 21. Juli 2016, 09:34

von Thomas Jorda

„Großartiger Dichter“. Andrea Eckert, Kammerschauspielerin und Prinzipalin der Raimundspiele Gutenstein, im Gespräch mit Thomas Jorda.

Andrea Eckert  |  NOEN, Kern Jochi

NÖN: Die neue Ära in Gutenstein beginnt am 21. Juli mit der Premiere von „Der Diamant des Geisterkönigs“. Was wird anders?

Eckert: Mit mir kommen neue Künstlerinnen und Künstler, die das Festival prägen. Ich entwickle mit ihnen gemeinsam Phantasien, wie die Raimundspiele in der Region anders verankert werden und welches Gesicht sie in Zukunft haben könnten. Mein Ziel ist es, eine Künstlerfamilie aufzubauen, durch die das Festival eine kontinuierliche Identität bekommt.

Sie nennen sich nicht Intendantin, sondern Prinzipalin. Worin besteht der Unterschied?

Eckert: Das Wort umgibt eine Aura, die ich gerne habe. Ich denke an großartige Frauen wie Friederike Neuber, die schon im 18. Jahrhundert eine Theatertruppe hatte, oder an Emmy Werner, der ich so viel verdanke. Eine Prinzipalin ist eine Frau, die sich nicht nur für die Belange des Theaters zuständig fühlt, sondern auch für die Menschen, die bei ihr arbeiten. Das Leben von freien Schauspielern war nie einfach und wird immer schwieriger. Viele leben trotz ihrer hohen Qualität in prekären Verhältnissen. Ich möchte den Künstlern, die meiner Einladung folgen, auch emotionale Sicherheit bieten, soweit es in meiner Kraft liegt.

Warum hat das Theaterfest auf der Bleich wiese einen neuen „Anstrich“ bekommen?

Eckert: Das weiße Theaterzelt wurde mit der wunderbaren Malerei von Edgar Tezak auch äußerlich in einen Raimund-Palast verwandelt. Ich bin glücklich über das Ergebnis. Die Spiele haben ein neues, unverwechselbares Wahrzeichen bekommen, das sie von anderen Festspielen unterscheidet und eine zusätzliche Attraktion ist.

Nicht alle finden Raimund heute noch sexy. Was macht für Sie seinen Reiz aus?

Eckert: Seine herzzerreißende Biografie im Spiegel seiner Stücke zu reflektieren, das beweist mir bei jeder Probe aufs Neue, was für ein großartiger Dichter er war. Ob das „sexy“ ist, wage ich nicht zu beurteilen.

Hatten Sie keine Lust, selbst zu inszenieren?

Eckert: Ich habe noch nie inszeniert und wollte die mir anvertrauten Raimundspiele nicht gleich im ersten Jahr den Gefahren einer Regiedebütantin aussetzen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. www.raimundspiele.at