Erstellt am 02. März 2016, 05:14

von Michaela Fleck-Regenfelder

Akustik ist nicht Musik. Bernhard Leitner, Architekt, Ton-Raum-Künstler, Kunstpreis-Preisträger und Wahl-Weinviertler, sprach mit Michaela Fleck.

Bernhard Leitner, Architekt, Ton-Raum-Künstler, Kunstpreis-Preisträger und Wahl-Weinviertler, sprach mit Michaela Fleck.  |  NOEN, Schuck

NÖN: Diesen Freitag eröffnet die ZeitKunstNiederösterreich im St. Pöltner Landesmuseum Ihre erste große Personale in Österreich. Was gibt's denn da zu sehen?

Leitner: In der Ausstellung sind frühe Tonraumuntersuchungen aus meiner New Yorker Zeit zu sehen. Und meine körperakustischen Skulpturen, von 1975 bis 2016.

Der Titel „Ton – Raum – Skulptur“ klingt ja mehr nach Philosophie als nach Kunst.

Leitner: Meine Idee war ja vollkommen utopisch. Und es war offen, ob das Ergebnis wissenschaftlich oder künstlerisch wird. Ich wollte wissen, wie man Tonräume wahrnimmt. Das musste ich selbst herausfinden, dafür habe ich fünf Jahre Untersuchungen gemacht und mit einem Ingenieur auch eine eigene Maschine gebaut.

Anschauen und weitergehen geht bei Ihren Skulpturen gar nicht. Statt dessen muss man sich draufstellen, drunterstellen, hinlegen. Ist Ihre Kunst eine zum Mitmachen?

Leitner: Man muss sich damit auseinandersetzen, und man muss sich hineinbegeben. Ich fordere vom Besucher einen Dialog, das ist für viele sicher etwas ungewöhnlich.

Vor allem aber ist Ihre Kunst eine, die man hören kann. Die klingelt, die knistert, die wummert, die dröhnt, die schwingt und die spricht. Wie passt denn der Ton in den Raum?

Leitner: Ich interessiere mich für eine Erweiterung der sinnlichen Wahrnehmung. Meine zentrale Idee ist der Raum. Aber der Maßstab ist offen, von der Ton-Liege bis zum urbanen Raum. Der Ton – ich sage nicht Klang, der ist mir zu nah’ an der Musik – ist für mich bildnerisches Material.

Gelebt und gearbeitet haben Sie 14 Jahre in New York. Und seit 23 Jahren im Weinviertler Örtchen Gaindorf. Wie sind Sie von Manhattan nach Ravelsbach gekommen?

Leitner: Durch Zufall. Ich brauch’ kein Schloss. Aber meine Arbeiten brauchen Platz. In New York hatte ich ein riesiges Loft. Und als ich wieder in Wien war und Atelierräume gesucht habe, hat das Raiffeisen-Lagerhaus in Gaindorf zugesperrt. Ich habe es gekauft, umgebaut – und bin noch immer sehr begeistert. Der Bau, die ehemalige Getreidemühle, ist fantastisch!

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