Erstellt am 19. Mai 2016, 05:24

von Michaela Fleck-Regenfelder

Ein „Weltverbesserer“. Folke Tegetthoff, Märchenerzähler, Geschichtenschreiber, Festivalleiter und gebürtiger Grazer, im Gespräch mit Michaela Fleck. Foto: Oliver Wolf

Folke Tegetthoff  |  NOEN, Oliver Wolf

NÖN: Nächsten Dienstag startet die heurige Ausgabe von „fabelhaft!“. Was gibt’s denn da zu hören? Und gibt’s auch was zu sehen?
Tegetthoff: Wir haben heuer versucht, etwas Besonderes zu machen. Zur Eröffnung hab’ ich drei „normale“ Menschen eingeladen, die ihre Lebensgeschichte erzählen, und drei neue Erzählkünstler, die noch nie in Österreich waren.

Bei Fabeln denkt man ja mehr an griechische Dichter als an moderne Erzähler. Wie viel Modernität braucht denn ein Märchen heute?
Tegetthoff: Die Mär ist ja die älteste Form menschlichen Ausdrucks. Das Niederschreiben ist relativ jung. Heute müssen wir den Menschen den Mut geben, sich ihren eigenen Geschichten zu stellen. In Talkshows werden ja nur die außergewöhnlichsten Storys erzählt. Darum verstummen wir auch mehr und mehr…

Im heurigen Programm wird aber nicht nur erzählt. Da wird getourt und gekocht und gegessen und, natürlich, auch gefeiert. Wie viele Sinne braucht denn die Erzählkunst?
Tegetthoff: So wie wir sie neu interpretieren, beziehen wir alle Sinne mit ein. Und alles, was eine Geschichte erzählt – Pantomime, Jonglage, ein Handstand, ein Clown – ist uns willkommen. Gerade die Clowns kommen wahnsinnig gern – weil sie keine Lachnummer sind.

Sie haben schon fast auf der ganzen Welt erzählt. Ist das Märchen etwas, das überall verstanden wird? Und warum braucht es noch immer Festivals, um gehört zu werden?
Tegetthoff: Das Erzählen hat überall auf der Welt einen enormen Stellenwert. Aber was ich als eigentlichen Hintergrund sehe, ist die Bedeutung des Erzählens und des Zuhörens für das Leben, für den Alltag. Dafür braucht es am Tag nur zwei Minuten... Sonst schicken wir uns in zehn, zwanzig Jahren nur mehr Emoticons!

Sind zehn Jahre „fabelhaft!“ ein Grund zum Aufhören? Zum Weitermachen? Zum Größerwerden? Zum Weiterziehen?
Tegetthoff: Aufhören? Um Gottes willen, nein! Ich war ja immer schon ein unvermeidlicher Weltverbesserer [lacht]! Mit vier eigenständigen Festivals in vier Bundesländern sind wir schon sehr groß. Die Bucklige Welt hätte aber noch mehr Potenzial. Das auszuweiten, ist eine reine Geldfrage. 

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