Erstellt am 11. November 2015, 06:58

von Thomas Jorda

"Tradition und Moderne". Fritz Miesbauer, der Geschäftsführer des Weingutes der Stadt Krems, über das neue Museum am Ende der Kunstmeile: „Das Weltkulturerbe darf keine Käseglocke sein!“

Fritz Miesbauer: »Mir gefällt das Moderne!«  |  NOEN, Robert Herbst

NÖN: Krems bekommt ein modernes Museum. Passt das zur Stadt?

Miesbauer: Unbedingt. Ich denke, dass sich die Tradition der Stadt mit dem Modernen sehr gut vereinbaren lässt. Mir gefällt so etwas sehr gut. Wir haben es mit unserem Weingut geschafft, in jahrhundertealte traditionelle Gebäude zeitgenössische Architektur einfließen zu lassen. Und viele Menschen, die zu uns kommen, loben diese Verbindung von Alt und Neu sehr.

Sehen Sie keine Gefahr für das Weltkulturerbe Wachau?

Miesbauer: Ich bin in der Wachau aufgewachsen und lebe in Spitz an der Donau. Wir lieben die Tradition. Wir müssen aber auch mit der Zeit gehen, um in dieser Tradition nicht zu erstarren. Da stelle ich lieber das Weltkulturerbe infrage. Wenn man das als Käseglocke über die Region stellt und nichts mehr machen darf, dann empfinde ich das als sehr rückschrittlich.

Manche Kremser fürchten, das neue Museum könnte das Stadtbild beeinträchtigen.

Miesbauer: Das sehe ich anders. Dann dürfte man in traditionellen Städten wie Wien oder anderswo nie neue Architektur errichten. Ich glaube, dieses Museum passt wunderbar als Endpunkt der Kunstmeile.

Und die Angst vor den Verkehrsproblemen?

Miesbauer: Die verstehe ich gut, noch dazu, wo eineinhalb Jahre gebaut werden wird. Das wird nicht einfach werden. Ich fürchte, da hat sich emotional schon sehr viel aufgestaut. Es ist deshalb höchste Zeit, dass man die Menschen gut informiert, damit sich alle gut vorbereiten können. Und man muss über die Zukunft reden. Ich bin bei der Kunstmeile für eine Begegnungszone wie in der Wiener Mariahilferstraße.

Das neue Museum soll den Tourismus fördern. Glauben Sie daran?

Miesbauer: Das hoffe ich, und das glaube ich auch. Alle Zeichen deuten darauf hin. Wir haben schon jetzt durch die Studierenden in Krems eine enorme Szene, die noch größer werden soll. Wir merken das beim Weinverkauf, dass immer mehr junge Leute kommen. Auch die innovativen gastronomischen Betriebe der Stadt sind Nutznießer der Entwicklung. Jetzt muss es uns nur noch gelingen, die sehr kurze Saison in der Wachau zu verlängern. Und dafür ist das neue Museum ideal.


Zur Person

Fritz Miesbauer wurde am 2. Oktober 1968 in Krems geboren, absolvierte die Weinbauschule Klosterneuburg und arbeitete dann bei Spitzenweingütern im In- und Ausland. Er war Geschäftsführer der Freien Weingärtner Wachau (heute: Domäne Wachau), seit 2003 ist er Geschäftsführer des Weingutes der Stadt Krems, das seit 1452 im Eigentum der Stadt steht. Mit dem Ertrag von 51 Hektar Rebfläche werden 250.000 Flaschen im Jahr gefüllt, meist Veltliner und Riesling.

Miesbauer ist verheiratet und hat drei Kinder.