Erstellt am 16. Februar 2016, 06:34

von Michaela Fleck-Regenfelder

Täglich eine neue Seite. Julian Schutting, Lyrik- und Prosa-Autor, Wildgans-, Trakl- und Jonke-Preisträger und gebürtiger Amstettner, sprach mit Michaela Fleck.

Julian Schutting  |  NOEN, Kühn

NÖN: Dieses Wochenende widmet Ihnen das Literaturhaus die erste seiner künftig jährlichen Personalen. Was gibt’s da zu hören?

Schutting: Das weiß ich gar nicht, mir ist alles recht! Ich les’ etwas Unveröffentlichtes, am besten etwas, das ich erst vor zwei Tagen geschrieben habe. Ich bin immer für etwas Frisches! Und ich hab’ noch Skizzen, Notizen, Manuskripte abgeliefert. Ich beginne ja auf Fahrscheinen zu schreiben, auf umgedrehten Briefkuverts … Da kann man ein bisschen die Genesis nachvollziehen.

Für ein Werk, das so groß ist wie Ihres, sind ein Abend und ein Vormittag reichlich wenig.

Schutting: Hätten Sie an eine Woche gedacht? Nein, das wär’ zu lang! Es ist gut so. Es soll ja nicht zu viel werden.

Vier Literaten werden, außer Ihnen, in Krems lesen, zwei Musiker, nämlich die Strottern, spielen. Wie passt denn das Wiener Lied zu Julian Schuttings Gedichten?

Schutting: Ich war schon öfter mit den Strottern zusammengespannt. Und ich hab’ mich auch getraut, ihnen einen Text von mir zu schicken. Ich bin gespannt, ob sie den spielen!

Zu Worten und Tönen gibt’s noch einige Ihrer Fotoserien. Was gibt’s da zu sehen?

Schutting: Die Fotos sind eigentlich für den Hausgebrauch. Was mich interessiert, ist, wenn man eine Sache auf vielerlei Arten betrachten kann. Weinstöcke und ihre blauen Hüllen, die wie Soldaten vor der Schlacht aussehen. Lindenblütenpollen, die wie eine Landkarte aussehen. Verhüllte Rosenstöcke, die wie ein Flüchtlingszug oder wie Leprakranke aussehen.

Was wollen Sie noch verwirklichen?

Schutting: Ich schau, dass ich täglich eine neue Seite schreibe. Aber ich hab’ eigentlich Angst davor zu überlegen, was ich noch schreiben könnte. Ich will sicher, auch wenn ich 100 werde, keinen Familienroman schreiben. Zu meinem Achtziger 2017 kommen drei längere Prosagedichte, in denen überall Palmen vorkommen. Und vielleicht kommt im Herbst noch etwas …