Erstellt am 16. Dezember 2015, 05:08

von NÖN Redaktion

"Ich bin Zeichnerin". Barbara Yelin, Comic-Zeichnerin aus München und derzeit Artist in Residence in Krems, im Gespräch mit Michaela Fleck.

Barbara Yelin  |  NOEN, Martin Friedrich

NÖN: Das Kremser Karikaturmuseum hat gerade eine kleine, feine Schau mit Ihren wichtigsten Werken eröffnet. Was ist da zu sehen?

Yelin: Ungefähr 30 Originale aus meinem Comic-Roman „Irmina“, Reisetagebücher, Skizzen, Ausschnitte aus dem Web-Comic, den ich gerade mache, und vier Seiten aus den täglichen Comics, die ich für die Frankfurter Rundschau gezeichnet habe.

„Irmina“ ist erst vor einem Jahr erschienen. Und hat schon drei prominente Preise abgeräumt. Was hat sie, was andere nicht haben?

Yelin: Ich bin im Nachlass meiner Großmutter auf einen Karton gestoßen, mit Tagebüchern und Briefen. Dann hab’ ich mich mit einem Historiker an die Recherche gemacht. Meine Hauptaspekte sind das Wegschauen und die Sprachlosigkeit in den 1930er-Jahren. Eine zarte Liebesgeschichte gibt es auch. Die Figur der Irmina ist spröde, aber man hofft für sie. Und mir ging es darum, dass sich jeder selbst infrage stellt…

Graphic Novels, wie Ihr Buch auch bezeichnet wird, sind ja gerade sehr im Trend. Ist das auch eine Chance fürs Comiczeichnen?

Yelin: Natürlich. Der Begriff hat in der Comicszene auch Kritik hervorgerufen. Für mich ist es ein Teilbereich des Comics. Beim Zeichnen ist einem der Begriff ja wurscht!

In einer Kunstausstellung sind Comics noch immer recht selten. Woran liegt das?

Yelin: Comics an die Wand zu bringen, ist ist gar nicht so leicht. Das Medium Comic sitzt oft zwischen allen Stühlen. Das hat aber auch Vorteile – wir genießen eine Art Narrenfreiheit!

Sie sind nicht nur zur Vernissage nach Krems gekommen, sondern bleiben noch bis Ende Dezember als Artist in Residence in einer der Atelierwohnungen an der Kunstmeile.

Yelin: Das ist wirklich super! Für Comiczeichner gibt es selten Stipendien. Neben mir arbeiten ein Musiker, ein Architekt, zwei Bildende Künstler und eine Schriftstellerin – das ist sehr spannend!

Was wollen Sie noch verwirklichen?

Yelin: Wenn ich so viele Comics gemacht habe, will ich wieder große Formate zeichnen. Mein nächstes Buch möcht’ ich in der Jetzt-Zeit machen.  www.karikaturmuseum.at