Erstellt am 24. Februar 2016, 06:44

von NÖN Redaktion

Theater entstauben. Cordula Nossek, Figurenspielerin und Wahl-Brunnerin, sprach mit Carina Rambauske über ihre Intendanzen in Mistelbach und Wien.

Cordula Nossek  |  NOEN, zVg

NÖN: Sie sind Intendantin des Figurentheaterfestivals IF!. Wie kam es dazu und was ist Ihnen bei der Festivalgestaltung wichtig?

Cordula Nossek: 2011 übernahm ich die künstlerische Leitung. Seitdem gab es 2013 und 2016, heuer konkret vom 25. bis 27. Februar, eine Ausgabe. Das IF! findet im KosmosTheater statt. Hier stehen Produk tionen mit Puppenspielerinnen im Fokus. Women on stage, Frauenthemen, mit Sicht auf die Welt aus der Perspektive der Frauen. Thematisch habe ich in diesem Jahr das Motto „Madonnen_Mütter_Mätressen“ gewählt. Ein Rollenspiel und Spiel mit den Klischees und mit den Klassikerinnen der Weltliteratur. Ich bin ein politisch denkender Mensch, versuche, die Themen der heutigen Zeit auf die Bühne zu bringen, möchte gerne auch das politisch Brisante des Figurentheaters dem Publikum präsentieren. Die Zeiten des verstaubten, ausschließlich traditionellen Figurentheaters sind vorbei.

Im Oktober finden auch wieder die Interna tionalen Puppentheatertage Mistelbach statt. Wie wird sich das Festival präsentieren?

Nossek: Das Motto heuer „magic places – magische orte“ verbindet sich mit dem großen Thema der MAMUZ-Ausstellung „Stonehenge“ und ist auch eine Anspielung auf eine allgemeine Tendenz der modernen Welt: die Entmythisierung öffentlicher Orte (riesige Flughäfen, Großbahnhöfe, Shoppingcenter ...), moderne Architektur, zweckgebunden, super optimiert, clean und praktisch, aber leider ohne Zauber, ohne Mythos. Das Theater vermag es noch, diesen Orten einen Mythos zu geben.

Mistelbach und Wien: Gibt es Gemeinsamkeiten, Unterschiede und wie schaut es bei beiden mit der Publikumsakzeptanz aus?

Nossek: Eine Gemeinsamkeit ist natürlich, das Publikum für das zeitgenössische Figurentheater zu interessieren. In Wien sind die unregelmäßigen Festivals eine ziemliche Herausforderung, eigentlich fange ich immer bei null an. Drei Abende, alle drei oder zwei Jahre, sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wien ist in Bezug auf das Figurentheater ein Entwicklungsland, NÖ ist da weiter. Die wirklichen Innovationen in Kunst und Kultur finden in den Bundesländern statt. Wien ist eben anders.