Erstellt am 30. März 2016, 06:34

von Michaela Fleck-Regenfelder

Kunst, „die alles darf“. Martin Krenn, Künstler, Kurator, Uni-Dozent und gebürtiger Wiener, im Gespräch mit Michaela Fleck über die Kunst, „die alles darf“.

Martin Krenn  |  NOEN, zVg

NÖN: Gerade hat die Schallaburg ihre jüngste Schau eröffnet. In der gibt’s auch fünf Debattenräume fürs Publikum, einen von Ihnen gestaltet. Was ist da zu sehen – oder zu tun?

Krenn: Zu sehen gibt es ein Club-2-Studio. Mit den Kunstvermittlern entwickelten wir dazu ein Art Karten-Rollen-Spiel. Im Rahmen der Führungen werden dann die Besucher ebenfalls Teil des Kunstwerkes, sobald sie im Club-2-Studio Platz nehmen.

„Debattenraum“ klingt ja mehr nach Raucherkammerl als nach Publikumsbeteiligung. Wozu braucht eine Debatte einen Raum?

Krenn: Ich bin jedenfalls ein Nichtraucher! Debatte als Selbstzweck und ohne Meinungsbildung ist sicherlich zu wenig. Die „70er“ ist im Kontrast dazu ein besonders gelungenes Beispiel dafür, wie der Spagat zwischen anspruchsvoller Information und unterhaltsamer Debatte gelingen kann.

In Museen sieht man Ihre Kunst eher selten. Dafür umso mehr in öffentlichen Räumen.

Krenn: Ich stelle auch sehr gerne in Museen aus, da sich die Ausstellungspraxis sehr geändert hat. Seit der Avantgarde ist auch viel Neues entstanden, wie eine „Dialogische Kunst“, die mich besonders interessiert.

Auch Ihre Themen sind zumindest im klassischen Kunstbetrieb nicht alltäglich. Rassismus, Kapitalismus, Totalitarismus, Nationalsozialismus – was kann die Kunst gegen all das tun? Was darf sie? Und was muss sie?

Krenn: Ich denke, Kunst darf alles und muss nichts. Das macht zumindest für mich die „Freiheit der Kunst“ aus. Ob sie jedoch bei so großen Themen auch etwas bewirken kann, steht auf einem anderen Blatt. Ich versuche, diesen Themen gerecht zu werden, indem ich mir Zeit für Recherche lasse und dabei mit Experten unterschiedlicher Disziplinen in Kontakt stehe.

Ein Mahnmal ist auch Ihr jüngstes Projekt, das am Sonntag in St. Lorenz in der Wachau eröffnet wird. Woran gemahnt das? Und wie passt das in eine Tourismusgemeinde?

Krenn: Der Titel „Mahnmal Friedenskreuz St. Lorenz“ fasst die Aussage meiner Installation prägnant zusammen: Sie warnt vor einem falsch verstandenen Friedensbegriff, der wie beim „Friedenskreuz“ Wehrmachtssoldaten als „gefallene Helden“ verklärt, und eröffnet einen Ausblick in ein neues Geschichtsverständnis.  www.publicart.at