Erstellt am 23. März 2016, 06:14

von Michaela Fleck-Regenfelder

Kunst mit Superkräften. Moufida Fedhila, Film-, Foto- und Performance-Künstlerin aus Tunesien, im Gespräch mit Michaela Fleck über Kunst und Politik und mehr.

Moufida Fedhila  |  NOEN, zVg

NÖN: Gerade hat der Kunstraum NÖ seine jüngste Schau eröffnet – unter anderem mit Kunst von Ihnen. Was gibt’s da zu sehen?

Fedhila: Das jüngste Video und das goldene „Super Tunisian“-Cape, das ich nach fünf Jahren ausgezogen habe und das jetzt auf einem Kleiderhaken von der Decke hängt. Außerdem Polaroids aus meiner Fotoserie „Fuck Democracy, Miracle too“ .

Der Titel der Ausstellung, „The Turn“, klingt ja mehr nach Revolution als nach Kunst. Oder gehört das ohnehin zusammen?

Fedhila: „Turn“ ist das richtige Wort. Für uns ist es eine Revolution. Vor dem Sturz von Ben Ali war es richtig hart. Ich habe 2010 in Tunesien einen Film gemacht. Da waren so viele Polizisten ständig um uns herum … Jetzt sind die Leute auch viel aufmerksamer, was in Tunesien passiert.

Mut braucht es für politische Kunst wohl in jedem Fall. Und vielleicht noch ein Superhelden-Kostüm, wie das, das Sie bei Ihrer ersten Performance als „Super Tunisian“ im Mai 2011 in Tunis getragen haben. Wie war das?

Fedhila: Am Anfang war es seltsam, eine neue Person zu kreieren. Und für mich war es auch noch ziemlich schwierig, in diesem Anzug zu stecken. Aber ich musste weitermachen. Das hat mich so stark beschäftigt, dass ich nicht aufhören konnte!

Den „Super Tunisian“ konnte man ja auch wählen. Und damit auch ein „Super Country“, das mit Hilfe von Superkräften geschaffen werden soll. Wie soll so ein Land aussehen?

Fedhila: Das Ziel ist nicht, ein perfektes Land zu haben. Die Frage ist, wie wir auf Dinge reagieren, wie wir agieren. Die Politik in Tunesien ist heute genauso seltsam wie in Amerika oder in Österreich. Aber wir müssen einen Weg finden, um besser zu leben. Das ist die Rolle der Kunst!

Geboren sind Sie in Tunesien, haben Philosophie an der Sorbonne und Theater in der Normandie studiert. Aufgetreten sind Sie von Tunis bis Padua und von Bern bis Rennes – und das meist auf der Straße. Wieso?

Fedhila: Wir im Süden leben ja mehr draußen. Während der Revolution waren alle auf der Straße. Ich wollte etwas beitragen, und das ging nur auf der Straße.

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