Erstellt am 01. Juni 2016, 06:25

von Michaela Fleck-Regenfelder

Der Herr der Puppen. Puppenspieler Nikolaus Habjan über Menschen, Puppen, Bardamen & Kindheitsträume.

Die Puppe und ihr Spieler: der »Herr Karl« und Nikolaus Habjan.  |  NOEN, Barbara Pálffy

NÖN: Am 10., 11. und 12. Juni sind Sie gleich dreimal in St. Pölten. Zweimal mit Dirk Stermanns „6 Österreichern“, einmal mit Helmut Qualtingers „Herr Karl“. Was gibt’s da zu sehen?
Habjan: Ich wollte keine Qualtinger-Puppe bauen. Das funktioniert nicht. Also habe ich beim „Herrn Karl“ den Originaltext auf drei Figuren aufgeteilt. Und als Setting ein Wiener Kaffeehaus genommen. Die „6 Österreicher“ sind für mich ein bisschen wie Alice, also: Dirk kommt ins Wunderland Wien. Das wird sehr lustig! Und es gibt sogar eine Figur, die bei beiden mitspielt: die manisch depressive Bardame. Und der Gast beim „Herrn Karl“, der sitzt auch bei den „6 Österreichern“ im Kaffeehaus.

Auch die Figuren haben ja einiges gemeinsam. Sie raunzen gern, sie schimpfen gern. Und sympathisch sind sie alle nicht. Sind das die spannenderen Rollen?
Habjan: Wenn ich den Prinzen spielen müsste, wär mir fad. Da würd’ ich lieber die Hexe spielen. Die Bösen sind sowieso viel spannender!

Mit Kasperl- oder Marionettentheater haben Ihre Klappmaulpuppen nichts am Hut. Die wirken so echt, dass man sich fast schreckt. Wie viel Seele braucht eine Puppe?
Habjan: So viel, wie’s geht! Das Prinzip ist so simpel: Man hat die Hand in der Puppe und fertig. Das ist eine der ehrlichsten Formen im Theater. Und die Puppe kann auch sterben, sie kann fliegen, sie kann Zeitlupe … Und sie ermöglicht einen direkteren Zugang zu Stücken.

Sie spielen ja nicht nur mit Ihren Puppen, Sie bauen sie auch. Der Regisseur und Schauspieler Nikolaus Habjan muss also auch Handwerker, Bühnenbildner und Kostümmacher sein.
Habjan: Ja, das hat mich erstaunt, dass das nicht viele Puppenspieler machen. Für meine Arbeit braucht’s das aber. Und ich hol’ mir dafür auch überall die Inspiration, aus der U-Bahn, aus den „Seitenblicken“…

Mit Ihrem „Herrn Karl“ haben Sie das Akademietheater gefüllt, mit Ihrem Herrn „Zawrel“ den Nestroy abgeräumt. Mit Kottan feiern Sie im Dezember NÖ-Premiere in der Bühne im Hof. Und mit dem König der Elfen spielen Sie im Juli 2017 an der Bayrischen Staatsoper. Wie wird das?
Habjan: Das ist ein Kindheitstraum von mir, eine Oper mit Puppen und Sängern. Darauf freu’ ich mich irrsinnig! Und der Kottan ist halt wirklich lustig, da gibt es eine kleine Gruppe von Figuren. Und das wird eine Folge, ein Fall, den die Söhne von Helmut Zenker für uns bearbeiten.

Was wollen Sie unbedingt noch verwirklichen?
Habjan: Eine „Zauberflöte“ mit Puppen und in ganz großem Rahmen. Und ich würd’ wahnsinnig gern einen Nestroy machen – aber nur mit Menschen!

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