Erstellt am 24. November 2015, 05:03

von Michaela Fleck-Regenfelder

Töne statt Zäune. Norbert Täubl, Klarinettist, Wiener Philharmoniker und gebürtiger St. Aegyder, im Gespräch mit Michaela Fleck.

Norbert Täubl  |  NOEN, Edition Lammerhuber

NÖN: Nächsten Montag stellen Sie mit den Philharmonikern ein recht ungewöhnliches Projekt vor. Worum geht’s denn da?

Täubl: Um ein Haus für Asylsuchende. Das ist nicht nur ein Bekenntnis zur Menschlichkeit, das ist unsere Mitverantwortung.

Was hat denn die Politik überhaupt mit der Musik zu tun?

Täubl: Ursächlich nichts. Aber die Musik geht durch Zäune, die kann man nicht aufhalten. Und sie ist eine Sprache, die man nicht lernen muss.

Wobei: Das Wiener-Philharmoniker-Haus, wie das Projekt heißt, würde man ja eher am Wiener Ring als am Land vermuten. Wie kommen die Philharmoniker nach St. Aegyd?

Täubl: Ganz einfach, weil ich daher stamme. Und weil wir glauben, dass Integration nicht in der Stadt, sondern am Land stattfindet. Ich bin auf dieses Gasthaus gestoßen, das gerade geschlossen wurde. Dann haben wir uns mit der Diakonie einen Partner gesucht, der das betreiben kann. Dann sind wir zum Bürgermeister gepilgert. Und zuletzt haben wir es bei den Philharmonikern beschlossen – einstimmig.

40 (von 148) Philharmonikern haben Migrationshintergrund, 20 einen nichtösterreichischen Pass. Was macht das mit einem Orchester? Und was macht das mit dem viel beschworenen Wiener Klang?

Täubl: Überall, wo etwas Neues dazukommt, ist das eine Bereicherung. Die, die dazustoßen, von Neuseeland bis England und von Rumänien bis Albanien, haben vielleicht weniger Selbstverständnis, aber mehr Achtsamkeit. Gemeinsam musizieren ist wie gemeinsam leben. Und musizieren heißt zuhören. Das ist das Erste, was eine junge Frau, ein junger Mann bei uns lernt – ganz egal, woher sie kommen.

Für das Philharmoniker-Haus gibt’s auch ein Benefizkonzert – am 5. Dezember im St. Pöltner Festspielhaus. Was gibt’s da zu hören?

Täubl: Eine kleine, musikalische Herbergssuche. Es spielt auch nicht das ganze Orchester, obwohl das für uns einfacher gewesen wäre. Es spielen verschiedene Ensembles, es singt Michael Schade, es gibt einen syrischen Tänzer. Und wir wollen ein volles Haus haben!

www.festspielhaus.at