Erstellt am 07. Juni 2016, 08:20

von Michaela Fleck-Regenfelder

Man braucht viel Liebe. Sigmund Steiner, Filmemacher, Bauernsohn & gebürtiger Steirer, sprach mit Michaela Fleck über seinen ersten Kinofilm.

Sigmund Steiner  |  NOEN, Schinderegger

NÖN: Gerade ist Ihr erster, abendfüllender Dokumentarfilm in Niederösterreichs Kinos angelaufen. Was gibt’s denn da zu sehen?
Steiner: „Holz Erde Fleisch“ ist ein Film über bäuerliche Arbeitswelten, auch über die Natur und ihre Wirkung auf uns. Aber vor allem ist es ein Familienfilm.

Der Titel klingt ja mehr nach Wortspiel als nach Arbeitsalltag. Wie viel Wahrheit verträgt denn ein Kinofilm? Und wie viel Nähe braucht eine Dokumentation?
Steiner: Für mich war die Nähe zu den Protagonisten sehr wichtig. Ich glaub’ auch, wenn man sich selbst öffnet, macht es das Gegenüber auch. Erst dann entsteht ein Verhältnis auf Augenhöhe. Es geht also vielleicht mehr um „Wahrhaftigkeit“.

Ihre Kulissen sind Felder, Wälder, Weiden, Ihre Hauptdarsteller ein Weinviertler Gemüsebauer, ein Waldviertler Forstwirt und ein steirischer Schafzüchter. Wie filmt es sich da? Und wie viel Eigenes darf da hinein?
Steiner: Die Leute reden anders mit einem, wenn sie von ihrem eigenen Grund und Boden umgeben sind. Und das „Eigene“ ist für mich fast eine Voraussetzung. Nur wenn mir etwas so viel bedeutet, dass ich einen Film drüber machen will, kann ich auch andere Menschen damit berühren.

Den Hof Ihres Vaters wollten Sie nicht übernehmen. Und haben, statt Bauer zu werden, bei Wolfgang Glück und Michael Haneke das Filmemachen gelernt. Was hat die Landarbeit mit der Dreharbeit gemeinsam?
Steiner: Man muss in beiden Berufen sehr genau sein. Und man braucht ein gewisses Gespür. Wenn der Bauer seine Pflanzen vernachlässigt, verderben sie genauso wie der Film des Regisseurs, der denkt, alles geht von allein. Wie einer unserer Protagonisten sagt: „Man braucht viel Liebe dazu!“

Was braucht Österreichs Dokumentarfilmszene derzeit am dringendsten?
Steiner: Eine Filmförderung auf der Höhe der Zeit.

Was wollen Sie noch verwirklichen? Steiner: Auf der Leinwand: einen Spielfilm. In der Landschaft: ein Holzhaus. Im Leben: eine Familie.

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