Erstellt am 14. März 2016, 13:22

von Thomas Jorda

„Ich bin ein Grenzfall“. Wolfgang Kühn, Autor und Mitbegründer des Literaturhauses in Krems, im Gespräch mit Thomas Jorda über die brandneue Weinviertel-Anthologie. Foto: Petra Haltmayer

Wolfgang Kühn  |  NOEN, Petra Haltmayer

NÖN: Der dritte Band der von Ihnen herausgegebenen Viertel-Anthologien beschäftigt sich mit dem Weinviertel. Warum so spät, Sie sind ja selbst Weinviertler geworden?

Kühn: Nicht ganz, ich bin da irgendwie ein Grenzfall. Langenlois gehört geografisch zum Waldviertel, geologisch zum Weinviertel.

Was macht den Reiz des Weinviertels aus, abseits des Klischees als Toscana des Nordens.

Kühn: Abgesehen von den vielen schönen Seiten, ist es auch eine ideale Gegend für Ruhe und Rückzug.

Ohne das Weinviertel schlechtzureden: Hat es auch problematische Aspekte?

Kühn: Natürlich sind nicht alle Orte pittoresk, manche leiden sehr unter starkem Verkehr und vor allem den grenznahen Gebieten merkt man an, dass vor 1989 dort mehr oder weniger die Welt zu Ende war. Aber das hat auch seinen Charme.

Täuscht der Eindruck, oder ist gerade das Weinviertel mit vielen Schriftstellerinnen und Schriftstellern gesegnet?

Kühn: Das stimmt, und ich glaube, die Kombination Ruhe und Rückzug und gleichzeitig nicht zu weit von Wien entfernt, ist für viele ein Grund, sich im Weinviertel anzusiedeln.

Die Frauenquote im Buch liegt nicht bei fünfzig Prozent. Trotzdem sind beachtlich viele Schriftstellerinnen vertreten. Ein Zeichen des Aufbruchs oder von Ihnen so gesteuert?

Kühn: Die Quote wird mit jedem Viertel besser. Die bildende Künstlerin Irena Ráèek eingerechnet liegen wir bei zehn zu zwölf, das ist fast ausgewogen, da wollen wir hin.

Fehlt in der Liste nicht Felix Mitterer, wenn auch Peter Turrini dabei ist?

Kühn: Wir hätten uns über seinen Beitrag sehr gefreut, aber leider war unsere Anfrage offensichtlich zu kurzfristig.

Bei der Präsentation am 11. März in Krems wird Alfred Komarek dabei sein – als Aushängeschild der Weinviertler Literaturszene?

Kühn: Ja, dank seiner Polt-Krimis und der Verfilmungen ist Alfred Komarek, obwohl er aus Bad Aussee stammt, zum Literaturbotschafter des Weinviertels geworden.