Erstellt am 18. November 2015, 06:18

von Thomas Jorda

"Zeiten sind schlecht". Otto Schenk, der in Wiener Neustadt zwei Mal zur Adventlesung antritt, im Gespräch mit Thomas Jorda über Weihnachten damals und heute.

Otto Schenk  |  NOEN, Moritz Schell

NÖN: Sie sind in nationalsozialistischer Zeit aufgewachsen. Wie haben Sie als Kind Weihnachten erlebt? 

Schenk: Weihnachten war für uns ein Protestfest. Wir haben ausgeklammert, dass wir im Krieg sind, ausgeklammert, dass wir verfolgt werden, ausgeklammert, dass wir bombengeschädigt sein könnten.

Haben Sie mit Ihrer eigenen Familie Weihnachten gefeiert?

Schenk: Sporadischer und weniger wichtig. Ich habe aber immer auf einen Christbaum bestanden.

Bis heute?

Schenk: Bis heute. Vielleicht lasse ich ihn heuer zum ersten Mal weg. Aus Fadesse.

Im Jahr Ihres 85. Geburtstags?

Schenk: Ja, da werden einem die Christbäume langsam fad.

Was werden Sie Ihrer Frau schenken?

Schenk: Nichts.

Was schenkt Ihre Frau?

Schenk: Nichts. Das halten wir seit Jahren so und sind finanziell gut weggekommen.

NÖN: Wie werden Sie Ihr Programm anlegen?

Schenk: Ich werde in Wiener Neustadt versuchen, fröhliche Weihnachten zu gestalten. Ich werde ein bisschen rührend, aber nicht sehr weihevoll sein. Ich hoffe, dass man über dieses Fest und seine kleinen Blamagen auch lachen kann.

NÖN: Ist es nötig, in diesen Zeiten zu lachen?

Schenk: Traurige Zeiten haben noch mehr Humor notwendig als lustige Zeiten. Richtig lustige Zeiten gibt es gar nicht.

NÖN: Derzeit ist alles besonders unlustig.

Schenk: Ja, die Zeiten sind schlecht. Und sie werden noch viel schlechter. Davon bin ich überzeugt. Ich kann allen zu Weihnachten nur wünschen, dass sie sich dieses Fest noch besonders schön gestalten.