Erstellt am 23. Februar 2016, 05:34

von Thomas Jorda

Haus der Geschichte sucht Erinnerungsstücke. Das künftige Haus der Geschichte sucht Erinnerungsstücke aus der Zeit von 1918 bis 1938 (alle Informationen auf Seite NÖ 24). Ein Interview mit Museumsleiter Stefan Karner.

Stefan Karner (rechts) im Interview mit NÖN-Chefredakteurstellvertreter Thomas Jorda. Universitätsprofessor Karner ist Leiter des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgenforschung und wissenschaftlicher Leiter des Hauses der Geschichte in St. Pölten.  |  NOEN, Erich Marschik

NÖN: Warum suchen Sie gerade Erinnerungen aus der Zwischenkriegszeit?

Karner: Aus aktuellem Anlass. 2018 werden es hundert Jahre her sein, dass Staaten neu entstanden sind, Europa neu geordnet wurde. Deshalb richten wir den Fokus auf das Jubiläum und die gesamte Zwischenkriegszeit.

Es geht um hundert Jahre Republik und das Ende der Monarchie …

Karner: Wir feiern unseren Staat und unsere Republik, zu der wir alle stehen. Aber natürlich vergessen wir auch nicht, was die Monarchie davor geleistet hat.

Hoffen Sie auf besondere Schätze?

Karner: Da kann manches auftauchen. Aber daran denke ich gar nicht. Ich denke vor allem an das Alltägliche, das wir ohne solche Erinnerungsstücke nicht dokumentieren können. Wir haben wenig schriftliche Quellen über den Alltag der einfachen Menschen in Österreich. Deshalb weichen wir auf gegenständliche Quellen aus.

Könnten das nicht auch gefährliche Dinge sein – eine Handgranate aus Opas Kiste zum Beispiel?

Karner: Ähnliches ist uns bei anderen Sammelaktionen schon passiert. Immer wieder bringen die Leute Kriegsrelikte. Aber dafür haben wir Experten, die damit umgehen können.

Auf wie viele Objekte hoffen Sie?

Karner: Aufgrund der Erfahrung anderer Sammlungen denken wir an ein paar hundert höchstinteressanter Objekte. Viele werden im Haus der Geschichte auch zu sehen sein.

Ist diese Sammlung eine Werbung für das Haus der Geschichte?

Karner: Nein, es geht uns um die Identifikation. Die Menschen können sich mit dem Haus der Geschichte stärker identifizieren, wenn sie dort auch ihre persönlichen Objekte vertreten wissen. Wir wollen Geschichte zu den Menschen bringen. Und die verstehen sich leichter als Teil dieser Geschichte, wenn sie ein Exponat von sich oder aus der Verwandtschaft dort haben. Deshalb meine Bitte an alle, uns persönliche Gegenstände zu bringen, von denen Sie meinen, dass sie eine interessante Geschichte haben: Wir werden Ihre persönliche Geschichte zu einem Teil der gesamten Geschichte machen!

Einbringungen bis 30. April jeden Samstag von 10 bis 16 Uhr im Landesmuseum St. Pölten. www.hausdergeschichtenoe.at