Erstellt am 21. Juni 2016, 06:55

von Thomas Jorda

„Ein Ort der Intimität“. Thomas Bieber, Intendant der Klangräume Dobra (1. bis 3. Juli), im Gespräch mit Thomas Jorda über das Mittelalter und sein engagiertes Festival.

Thomas Bieber  |  NOEN, zVg

NÖN: Das Mittelalter liegt schon lange zurück. Sagt uns das überhaupt noch etwas?
Bieber: Viele sind vom Mittelalter fasziniert, ich auch! Allerdings hat eine Verklärung stattgefunden. Die Intrigen, die Machtspiele, die Irrtümer, die machen die Zeit so interessant. Leben möchte ich aber nicht im Mittelalter.

Ziemlich mutig, mitten im Waldviertel und am Anfang des Theatersommers ein eigenes Festival zu projektieren. Funktioniert das?
Bieber: Zum Glück ja. Die Tradition des Erzählens wieder aufzugreifen, die Besucher mit auf eine Zeitreise zu nehmen, das gelingt in Verbindung mit authentischer Musik sehr gut. Man darf unsere Veranstaltung halt nicht mit Mittelalterfesten verwechseln.

In diesem Jahr geht es um „Ketzer & Heilige“. Welche der beiden sind spannender?
Bieber: Beide sind spannend. Ketzer wie Heilige zahlen einen hohen Preis für ihre Überzeugung. Die Legenda Aurea, die am 2. Juli gelesen wird, beschreibt recht anschaulich, durch welche Foltern man direkt in den Himmel aufgefahren ist. Die Ketzer wurden im besten Fall verbannt, meist aber verbrannt.

Es gibt große Liebe, große Heilige, große Kriege. Ist noch Platz für stille Momente?
Bieber: Absolut. Wenn Eloise als Nonne an ihre große Liebe denkt, den charismatischen Gelehrten Abaelard, werden sicher die Tränen fließen. Es ist eine der wunderbarsten gelebten Liebesgeschichten des Mittelalters. Wir werden sie am 1. Juli hören.

Mit Mavie Hörbiger, Michael Köhlmeier und Gerti Drassl kommen wieder Stars. Wie locken Sie die in die Ruine mitten im Wald?
Bieber: Ich rufe sie an. Mit vielen bin ich freundschaftlich verbunden. Die Dobra-Ruine ist auch ein wunderbarer Ort, der so gar nichts mit herkömmlichen Festivals zu tun hat und viel Intimität, auch mit den Künstlern, bietet.

Sie sind ein Multi-Intendant, der drei Klangräume – in Waidhofen, in Dobra und im Herbst – gestaltet und bespielt. Gibt’s noch einen Wunsch, eine Idee für einen vierten?
Bieber: Ja, ich möchte allerdings noch nicht zu viel verraten. Es geht um das Thema Orient – Okzident.