Erstellt am 15. März 2016, 06:14

von Thomas Jorda

Die Leidenschaft Franz Josephs. Schloss Niederweiden erwacht für den Kaiser zu neuem Leben und zeigt seine Liebe zur Jagd.

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Alt ist er geworden, sehr alt, der alte Herr in Schönbrunn. Aber gut beisammen war er bis zu seinem Tod. Das zeigt die Ausstellung in Schloss Niederweiden deutlich, die sich der kaiserlichen Leidenschaft für die Jagd widmet. 1912, so kann man dort in handschriftlichen Notizen lesen, erlegte Franz Joseph noch erfolgreich einen Auerhahn.

Um das näher zu erklären: Auerhähne lassen sich nur ganz hoch oben im Gebirge und nur zu frühester Morgenstunde während des Balzflugs erlegen. Schon für junge Menschen eine körperliche Anstrengung – aber die haben für die ersten 1.000 Höhenmeter wenigstens ein geländegängiges Fahrzeug.

Der Kaiser als Rekordhalter

Vor hundert Jahren ist Kaiser Franz Joseph gestorben, in den frühen Abendstunden des 21. Novembers 1916, nach 86 Lebens- und 68 Regierungsjahren. Kein Habsburger war länger auf dem Thron, nur wenige Herrscher prägten Europas Geschichte im neunzehnten und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wie er.

Das Gedenkjahr ist Anlass einer Ausstellung über den Kaiser, die an drei Standorten in Wien und in Schloss Niederweiden im Marchfeld stattfindet. Der Historiker Karl Vocelka, einst Vorstand des Institutes für Österreichische Geschichte an der Universität Wien, gestaltete diese Schau, deren Schwerpunkt auf der einst größten – und wohl einzigen – Leidenschaft des Kaisers liegt, der Jagd.

Im Laufe seines Lebens erlegte er 55.000 Stück – besonders gerne Gämsen. Mit seinem Sohn, dem Kronprinzen Rudolf, fand er selten Gesprächsthemen, aber für die Jagdstrecke des Thronfolgers interessierte er sich regelmäßig.

Schloss Niederweiden wurde 1694 von Johann Bernhard Fischer von Erlach für Ernst Rüdiger von Starhemberg unter dem Namen Jagdschloss Engelhartstetten errichtet. 1725 erwarb es Prinz Eugen von Savoyen. Das heutige Aussehen erhielt es 1765 unter Maria Theresia. Die prächtigen Malereien des Festsaals stammen von Jean-Baptiste Pillement (1728 bis 1808).

Lange ruhte das Schloss im Dornröschenschlaf; mit der – ganz in Grün gehaltenen – Ausstellung erwacht es zu neuem Leben. Die sorgsam gestaltete Schau bietet auf rund 380 Quadratmetern gut Hundert bemerkenswerte, aber auch originelle Exponate.

Nicht-Jäger Karl Vocelka, über die Bedeutung der Jagd für das Bild des Kaisers: „Seine Rolle als volkstümlicher Jäger trug wesentlich zum Image des Kaisers, der bei den Weidmännern ein hohes Ansehen genoss, bei und wurde Teil des Mythos, der den Monarchen heute noch umgibt.“

Auf einen Blick

Sonderausstellung Franz Joseph (1830 - 1916).
Schloss Schönbrunn, Kaiserliche Wagenburg, Hofmobiliendepot und Schloss Niederweiden mit dem Themenbereich

Jagd & Freizeit.
Bis bis 27. November, täglich 10 bis 18 Uhr.

www.schlosshof.at