Erstellt am 06. April 2016, 10:24

von Thomas Jorda

Kaiser und Gärtner. Das Kaiserhaus in Baden zeigt die beeindruckend grüne Seite des Herrscherhauses.

Kaiser Franz: der Herrscher, der die Gärten liebte.  |  NOEN, NÖ Werbung

Kaiser oder König zu sein, das genügte den hohen Herren (und den dazugehörigen Damen) nicht immer. Viele von ihnen übten daneben andere Professionen aus.

Frankreichs tragischer König Ludwig XVI. zum Beispiel, der auf einer hölzernen Guillotine endete, war – ausgerechnet – ein begeisterter Tischler.

Doch was in anderen Herrscherhäusern doch eher zufälliges Interesse war, hatte bei den Habsburgern Methode. Gemäß den Gesetzen des Erzhauses hatte jeder Erzherzog und jede Erzherzogin ein Handwerk zu erlernen. So war Kaiser Franz (1768 bis 1835) ausgebildeter Gärtner, Tochter Marie Luise, die Ehefrau Napoleons, beherrschte die Kunst des Aquarellierens, Kaiser Franz Joseph hatte die Buchbinderei gelernt, Tochter Marie Valerie die Profession der Bühnenmalerin.

Kaiser Franz liebte die Gärten

Unter allen ragt der Gärtner und Kaiser Franz hervor, der seinen Zweitberuf nicht nur aus Pflicht erlernt hatte, sondern mit größter Neigung betrieb. Der Wiener Burggarten und der Laxenburger Schlosspark etwa zeigen deutlich seine Hand. Als seine Herrschaft wegen des Kriegs mit den Franzosen auf der Kippe stand, soll er gesagt haben: „Aber wenigstens mein Laxenburg werden sie mir doch lassen!"

Doch Franz stand in Sachen Gartenleidenschaft nicht alleine da. Der legendäre Erzherzog Johann (1782 bis 1859) leistete in der Steiermark Bedeutendes in Sachen von Botanik und Landwirtschaft, Erzherzog Ferdinand II. ließ beim Umbau der Ambraser Burg in Tirol den Schlosspark so beeindruckend gestalten (1566 bis 1570), dass er bis heute als grünes Juwel gilt.

Im Kaiserhaus in Baden bei Wien, das Kaiser Franz einst zur Sommerfrische gekauft hatte, wird von 23. April bis 1. November die Ausstellung „Die Gartenmanie der Habsburger“ zu sehen sein, die sich im Rahmen des Gartensommers Niederösterreich (Seite 30) mit jenen Vertretern der Familie Habsburg beschäftigt, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, also in der Zeit des Biedermeiers und des Vormärz‘, die Stadt Baden und den Wienerwald mit ihrer Gartenkunst und Gartenkultur prägten.

Zu den Höhepunkten der Schau, die der Stadt 250.000 Euro wert ist, zählt zweifel- los die Darstellung des legendären Rosengartens von Erzherzog Carl in der längst untergegangenen Weilburg.