Erstellt am 21. September 2015, 04:32

von Michaela Fleck-Regenfelder

Körper, Bilder, Töne. Mit Sasha Waltz’ monumentalem Tanztheater „Continu“ startet das St. Pöltner Festspielhaus in die Herbstsaison. Und setzt zu den Tänzern gleich die Musiker auf die Bühne.

2010 in Zürich uraufgeführt, feiert die Neuauflage von Sasha Waltz’ „Continu“ am 25. und 26. September in St. Pölten Weltpremiere – mit Live-Orchester.  |  NOEN, Sebastian Bolesch

„Eine große Herausforderung“ ist das, was Brigitte Fürle für den Start in ihre dritte Saison am St. Pöltner Festspielhaus geplant hat. Und: ein „einzigartiges“ Projekt.

Denn dass die Tonkünstler, das Residenzorchester des Festspielhauses, live bei einer Tanzproduktion spielen, das gab es schon. In dieser Größe aber noch nie. Da stehen, allein bei Edgar Varéses „Arcana“, das musikalisch im Zentrum von Sasha Waltz’ monumentaler Tanzproduktion „Continu“ steht, zehn Schlagzeuger auf dem Besetzungsplan. Und da sitzt das Orchester nicht nur „als Begleitung im Orchestergraben“, sondern oben auf der Bühne. Zwischen den Tänzern.

21 sind es, die Berlins Tänzerin, Choreografin, Kuratorin und Opern-Regisseurin Sasha Waltz ins Festspielhaus mitbringt. „Wir haben diese Aufführung immer als Ton-Konserve gespielt in der Hoffnung, dass ich irgendwo einen Ort finde, mit dem wir ‚Arcana‘ live aufführen können. Hier, in St. Pölten wird es wahr!“ Erzählt Sasha Waltz von ihrem „Traum“, um den sich auch Brigitte Fürle schon seit Jahren bemüht hat.

Austausch zwischen Musik und Tanz

Oper ist „Continu“ trotzdem keine, auch wenn die Choreografin „den Austausch zwischen Musik und Tanz, das Atmen des Raumes und die Wellen der Musik“ liebt. Sondern ein Tanz, „der Geschichten über das Menschsein erzählt“.

Dass sich die Tonkünstler auf „solche Abenteuer“ einlassen, ist für Brigitte Fürle „wunderbar“. Im April 2016 gibt’s dafür gleich die nächste Gelegenheit, wenn Martin Schläpfer mit seinem Ballett am Rhein wiederkommt und Gustav Mahlers siebente Sinfonie „vertanzt“.

Dazwischen gibt’s im Herbst- und Winterprogramm neben viel Musik aus allen Richtungen und ein bisschen Zirkus zum Drüberstreuen noch viel mehr Tanz. Und noch viel mehr Tänzerinnen.

Österreich-Premiere am 13. November

Pina Bauschs Tanztheater Wupperthal gibt sich am 23. und 24. Oktober die Ehre, Lucinda Childs feiert am 13. November Österreich-Premiere, Sylvie Guillem zeigt am 2. Dezember ihre Abschiedschoreografie, Yuanyuan Wang kommt am 27. Februar mit ihrem Beijing Dance Theater erstmals nach Österreich, und Germaine Acogny ist am 21. Mai im Festspielhaus zu Gast.

„Natürlich schaut man immer, wo die Frauen sind. Aber diese Ballung ist international sicher einzigartig“, meint Brigitte Fürle. Und sie ist, wie auch die Kombination von Tanz mit Live-Orchester, etwas, das das St. Pöltner Festspielhaus einzigartig macht. „Da“, sagt Fürle, „fängt unsere Arbeit an, so richtig spannend zu werden!“