Erstellt am 24. Mai 2016, 06:24

von Thomas Jorda

Violett als die Signalfarbe. Marie Rötzer über den Beginn ihrer Intendanz: „Unser Leitmotiv lautet: Die Welt ist groß. Wir wollen neue Denk- und Spielräume ohne Grenzen schaffen!“

Marie Rötzer: »Auf ,Utopia' bin ich besonders gespannt.«  |  NOEN, Jutta Streimelweger

Mit jeder neuen Intendanz ändert sich das Erscheinungsbild. War im Vorjahr noch Gold die dominierende Farbe des Landestheaters St. Pölten, so bevorzugt Marie Rötzer, die neue künstlerische Leiterin, tiefes Violett. Warum eigentlich? „Violett ist eine Signalfarbe. Das Theater soll damit eine leuchtende Ausstrahlung und eine besondere Aufmerksamkeit erreichen. Und es gibt viele positive Assoziationen – Inspiration, Kreativität, Kunst, Friedfertigkeit, alles Eigenschaften, die viel mit unserem Theater zu tun haben.“

Jede neue Intendantin tauscht auch ihr Ensemble aus. „Ich habe ein Drittel des vorigen Ensembles übernommen. Es gibt sieben neue Schauspielerinnen und Schauspieler, die aus unterschiedlichen Theatern kommen, aus Düsseldorf, Stuttgart, der Wiener Freien Szene, vom Salzburger Mozarteum.“ Dazu gibt’s Gäste wie Johannes Silberschneider oder Toni Slama.

Spielzeit startet am 16. September

Eröffnet wird Rötzers erste Spielzeit am 16. September mit der Premiere von „Die Welt ist groß und Rettung lauert überall“ nach Ilija Trojanow, ein modernes Märchen über Heimat, Flucht und Fremde als musikalisch-theatrale Reise.

Ab 1. Oktober steht Franz Grillparzers „Das Goldene Vlies“ auf dem Spielplan, mit Silja Lächle als Medea, inszeniert von der katalanischen Regisseurin Alia Duque.

Woher der Mut zu Grillparzer, der so selten gespielt wird? „Zu Unrecht! Grillparzer ist einer der Drängendsten österreichischen Dramatiker. Seine Texte sind große Literatur, seine eigenwillige, intensive Sprachgestaltung hat Thomas Bernhard und Elfriede Jelinek stark beeinflusst. Er war zu seiner Zeit ein großer Verfechter von Toleranz und Humanität, oft geht es in seinen Stücken um ein friedliches Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen im damaligen Vielvölkerstaat. Das Vlies haben wir gewählt, weil es hinter der politischen Botschaft einer Fluchtgeschichte auch um Macht und Diskriminierung und letztendlich um eine große Liebesgeschichte geht.“

Doch das ist erst der Anfang. An Eigenproduktionen im Großen Saal folgen „Schöne Bescherungen“ von Alan Ayckbourn (1. Dezember), „Wie es euch gefällt“ von William Shakespeare (18. März 2017), die österreichische Erstaufführung von „Schere Faust Papier“ von Michel Decar (28. April) und die Uraufführung von „Die Eroberung des goldenen Apfels – Geschichte einer Belagerung“ von Hakan Savaº Mican (5. Mai). Höhepunkte in der Theaterwerkstatt werden die Uraufführung von Josef Winklers Romandramatisierung „Roppongi“ (20. Jänner) und die Uraufführung von „Utopia“ nach Thomas Morus durch das Wiener Theaterkollektiv YZMA (4. März) sein.