Erstellt am 09. Februar 2016, 04:08

von Michaela Fleck-Regenfelder

Leise Töne, laute Bilder. 90 wird einer von (Nieder-)Österreichs wichtigsten zeitgenössischen Komponisten nächsten Mittwoch. Gefeiert wird Friedrich Cerha gleich dreimal - und zwar in Krems.

 |  NOEN, Georg Graf

Ob es Torten geben wird, am nächsten Mittwoch? Sekt? Und Gratulanten?

„Ich hoffe es“, sagt Friedrich Cerha bescheiden. Schließlich wird „einer der größten Komponisten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“ – so auch die Begründung für den 2006 verliehenen „Goldenen Löwen“ der Musik-Biennale von Venedig – am 17. Februar 90.

Gefeiert wird aber schon ein paar Tage vorher. Und das nicht ein-, sondern gleich dreimal. Das Archiv der Zeitgenossen am Campus Krems eröffnet diesen Freitag ein Symposium, das Kino im Kesselhaus gleich daneben lädt Freitagabend zur Soirée. Und das Forum Frohner am Kremser Minoritenplatz eröffnet am Samstag eine Ausstellung.

"Mit großer Umsicht und Sachkenntnis“

Wie das wird? „Das werden wir erleben“, meint der Jubilar. Die Vorbereitung war jedenfalls „vorbildlich“. Gundula Wilscher habe die wissenschaftliche und die künstlerische Seite „mit großer Umsicht und Sachkenntnis“ vorbereitet. Die Musikwissenschafterin betreut auch Friedrich Cerhas Vorlass, der seit 2009 dem Land NÖ gehört.

„Das Archiv der Zeitgenossen besitzt die fast lückenlose Sammlung von Material, das mein Leben und meine Arbeit betrifft – vom einfachsten Zettel bis hin zu Skizzen und Partituren. Ich bin wirklich glücklich, sie dorthin gegeben zu haben.“

Im Archiv hat Cerha seit knapp einer Woche auch einen neuen Nachbarn: Kurt Schwertsik. Dass sein „Freund und Weggefährte“ ins Archiv gekommen ist, freue ihn sehr. Auch, dass man die Vorlässe auf jene Komponisten erweitert hat, „die ab den 1950er-Jahren in der österreichischen Musiklandschaft wirklich etwas bewegt haben“.

Ein großes Lebenswerk

Bewegt hat Friedrich Cerha – mit sechs Opern, darunter Peter Turrinis „Riese vom Steinfelde“, Konzerten, Kantaten, Kammermusik, einer Symphonie und einem Requiem – aber nicht nur in der Musik viel. Sondern auch in der Malerei.

„Als Maler war ich ja bisher im Dunklen“, ist der gebürtige Wiener, der sich „Niederösterreich sehr verbunden fühlt“, schon wieder bescheiden. Und freut sich umso mehr über die kommende Ausstellung. Theresia Hauenfels hat dafür „alle Bilder auf dem Dachboden meines Hauses in Maria Langegg aufgenommen und mit großer Sorgfalt ausgewählt. Sie kennt mein Werk besser als ich“.

Zwischen Cerhas Tönen und Bildern gebe es ab und zu auch eine Wechselbeziehung. Brechts „Baal“, die Hauptfigur seiner ersten Oper, habe ihn zu einigen Bildern angeregt. „Eine blassblaue Vision“, die heuer bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt wird, „habe ich schon zweimal versucht, auch bildnerisch zu fassen“.
Vom Ruhestand ist der 90-Jährige jedenfalls weit entfernt. Denn: „Für Künstler gibt es keine Gliederung in Aktivzeit und Ruhestand. Die Musik kommt und geht, wann sie will.“