Erstellt am 21. September 2015, 14:45

von Michaela Fleck-Regenfelder

Literatur ist ein Destillat. Arno Geiger, Erfolgsschriftsteller, vielfacher Preisträger und gebürtiger Vorarlberger, im Gespräch mit Michaela Fleck.

Arno Geiger  |  NOEN, Gruffot

NÖN: Diesen Samstag sind Sie neben anderen bei der „Septemberlese 2015“ beim Loimer in Langenlois zu Gast. Was gibt’s da zu hören?
Geiger: Ich lese aus „Selbstporträt mit Flusspferd“. Da gibt’s tatsächlich ein Kapitel, da fahren die Studenten aufs Land, „in nordwestlicher Richtung“. Wir sind als Studenten auch einmal nach Gföhl gefahren…

Was hat das Wort mit dem Wein gemeinsam? Und was verbindet die Lese mit dem Lesen?
Sehr viel. Literatur ist auch eine Art Destillat, eine Essenz. Ich komm’ ja aus einer Schnapsbrennerfamilie, da passt das noch besser. Ich glaub’ an das Buch, und ich glaub’ an den Wein. Das ist beides was Besonderes, wie alle Nahrungsmittel. Bei der Weinlese braucht man ein Gespür für Qualität. Das ist auch bei meiner Arbeit so.

Bekannt geworden sind Sie mit einem Roman über Ihren alten Vater, Ihr jüngstes Buch dreht sich um einen jungen Studenten. Was hat der König mit dem Julian gemeinsam?
Das sind beides Bücher über unvollkommene Menschen. Und es sind Bücher über letzte und über erste Dinge.

Studiert haben Sie Literatur, gearbeitet haben Sie aber auch mit Videos, bei den Bregenzer Festspielen. Ist ein Schriftsteller ein bisschen auch Regisseur?
Ja. Ein literarisches Werk ist immer auch komponiert. Und ich schreibe schon Bücher, die gelesen werden wollen.

Was braucht Österreichs Literaturszene derzeit eigentlich am dringendsten? Geld? Mut? Publikum?
Ich bin der Meinung, dass Literatur so viel bieten kann, an Intimität, an Einsicht in die Welt. Was ich vermisse, ist ein Geist in der Gesellschaft, der diese Dinge schätzt. Literatur ist ein ganz großer Schatz. Und Bücher sind sehr gute Freunde – die einem aber nicht den Wein wegtrinken!

Was wollen Sie noch verwirklichen?
Ich denke nicht sehr viel über die Zukunft nach. Das hab’ ich im Zusammenleben mit meinem Vater gelernt. Aber wenn mich irgendwas an der Gurgel packt, dann bleib’ ich dabei. Es gibt auch schon etwas, aber darüber will ich noch nicht reden, da bin ich abergläubisch!