Erstellt am 29. September 2015, 07:57

von Michaela Fleck-Regenfelder

Mehr Mut im Theater. Nehle Dick, Regisseurin, Autorin & Theatervermittlerin am Landestheater St. Pölten, im Gespräch mit Michaela Fleck.

Nehle Dick  |  NOEN, Foto: Kriechbaum

NÖN: Diesen Samstag feiert Ihre Fassung des Kinderbuch-Bestsellers „Der Grüffelo“ in der St. Pöltner Theaterwerkstatt Premiere. Was gibt’s denn da zu sehen?
Dick: Ich hab’ die beiden Teile, den „Grüffelo“ und das „Grüffelokind“ verbunden. Und bei mir ist das Kind der Superstar! Ich hab’ auch viel von den Originalreimen gelassen, weil ich die Sprache grandios finde.

Wie bringt man denn ein Monster auf die Bühne? Und wie macht man aus einem Kinderbuch ein Familienstück?
Bei uns sind es natürlich Schauspieler. Die sind auch als Menschen zu erkennen. Aber ich hab’ auch noch nie ein so gut ausgestattetes Stück gehabt. Wir haben einen Wald und Schnee, und die Kinder sind auch Waldbewohner …

Sie haben in der Josefstadt und im Anatomietheater, im japanischen Kabuki-Theater und sogar auf der Straße inszeniert. Wie wichtig ist der Raum für die Regie? Und wie spielt es sich in einer ehemaligen Bühnenwerkstatt?
Ich mag die Theaterwerkstatt wahnsinnig gern. Da ist alles möglich, vom Guckkasten bis zur Raumbühne. Ich mag die Black Box. Ich schätze Kollegen, die im Flakturm spielen. Meine Sache ist es nicht!

Seit drei Jahren gehören Sie im Landestheater auch zu den Theatervermittlern. Wozu braucht das Theater Vermittlung? Und wäre die nicht auch für Erwachsene notwendig?
Ich bin die Einzige! Und ja, Erwachsene brauchen viel mehr Vermittlung. Es ist Zeit, dass große Institutionen wieder mehr auf ihr Publikum zugehen, sonst werden sie irgendwann zusammenkrachen.

Was braucht Österreichs Theaterszene derzeit am dringendsten?
Mehr Geld braucht’s immer. Und das Landestheater ist auch personell unterbesetzt, das ist leider bei allen so. Es darf um einiges mutiger werden, auch mutig genug, etwas Konventionelles zu machen …

Was wollen Sie noch verwirklichen?
Das gibt es ganz viel! Ich würde gerne mit meinem Jugendklub und Slammern, also: Autoren, Texte auf die Bühne bringen. Und irgendwann mach’ ich noch einen Tschechow!