Erstellt am 02. Dezember 2015, 05:03

von Michaela Fleck-Regenfelder

Menschen statt Waffen. Elisabeth Vavra. Kunst- & Kulturhistorikerin und Kuratorin, im Gespräch mit Michaela Fleck über Kriegs- und andere Schauplätze.

Elisabeth Vavra  |  NOEN, zVg

NÖN: Gerade haben Sie die jüngste Sonderausstellung im Landesmuseum NÖ eröffnet. Was gibt's denn da zu sehen?
Vavra: Dass in Niederösterreich immer wieder Krieg geführt wurde. Und dass Niederösterreich wirklich ein Kernland war, wo sich viel entschieden hat für Mitteleuropa.

Bücher und Feiern gab’s im Gedenkjahr schon viele, zu den (Großen) Kriegen. Schauen eher weniger. Wie stellt man das Töten aus?
Mit Einzelschicksalen, nicht (nur) mit Waffen! Ich wollte keine Ausstellung für Waffenliebhaber machen – obwohl wir Fliegerbomben, eine nachgebaute Franzosenkanone oder ein Steinkatapult haben. Mich hat das Menschliche interessiert, wie etwa das Opferbuch eines Pernersdorfer Mesners aus dem Jahr 1866.

In der Ausstellung geht’s ja nicht nur um die zwei großen Kriege. Sondern um Schlachten von der Steinzeit bis zum Nazireich.
Und da hab’ ich gewisse Kriege sogar schon ausgelassen, weil kein Platz mehr dafür war. Dafür gibt es Dinge, die sich wiederholen – etwa, was Soldaten immer zuerst requiriert haben: Schuhe, Essen, Wein.

Ihre Ausstellungsobjekte stammen aus über 50 lokalen Museen von Retz bis Baden und privaten Sammlungen. Warum gerade daher?
Man findet grundsätzlich nicht so viel. Kriege sind ja auch nicht so greifbar. Und je weiter man zurückgeht, desto dünner wird das Material. Aber in Retz gibt’s so viel, weil da wer eine richtige Kriegssammlung angelegt hat. Und wenn wir schon ein Landesmuseum haben, wollte ich zeigen, was wir im Land haben.

Was ist für Sie das furchtbarste Kriegsobjekt?
Das furchtbarste sind die Fliegerbomben aus Wiener Neustadt, das berührendste ist ein Votivbild aus Retz, von der Schlacht bei Aspern 1820.

Ist das schon die letzte landesgeschichtliche Schau im Landesmuseum? Was wird die erste im neuen Haus der Geschichte?
Das ist die letzte. Obwohl wir die nächsten schon konzipiert haben. Ins Haus der Geschichte bin ich nicht involviert. Das machen dann wieder die Männer …

www.landesmuseum.net