Erstellt am 07. März 2016, 13:10

von APA/Red

Musikwelt zeigt sich vom Tod von Harnoncourt betroffen. Nach dem Tod von Nikolaus Harnoncourt am späten Samstagabend sitzt der Schock in der Klassikwelt tief. Auch einen Tag nach Bekanntwerden der traurigen Nachricht meldeten sich prominente Weggefährten und Bewunderer zu Wort. Folgend eine Auswahl an Reaktionen:

 |  NOEN, APA

Alexander Pereira, Scala-Intendant, in einer handschriftlichen Stellungnahme gegenüber der APA: "Wir haben von ihm ununterbrochen gelernt, weil er sich immer wieder - durch sich in Frage stellen - erneuert hat. Er hat sich immer und immer Ziele gesteckt, die fast nicht zu erreichen waren.

Er hat Unendliches riskiert, hat die damit verbundenen Ängste in Kauf genommen und hat uns mit unerschütterlichem Enthusiasmus an Ufer gebracht, die wir uns allein nie zugetraut hätten. Nikolaus - danke!"

Matthias Naske, Intendant des Wiener Konzerthauses: "Mit Nikolaus Harnoncourt verliert die Wiener Konzerthausgesellschaft eine ihr als Ehrenmitglied verbundene überragende Musikerpersönlichkeit. Die Authentizität eines großen Musikers, der das Wesen der Musik intellektuell und emotional zu erfassen und immer neu zu beleben wusste, wird uns noch lange als Maßstab begleiten.

Die auch in der Interpretation von Alter Musik vorwärtsgewandte forschende Persönlichkeit Harnoncourts bereicherte mit rund 90 Konzerten, an denen er als Cellist, Ensembleleiter, Vortragender oder Dirigent beteiligt gewesen ist, über Jahrzehnte das Programm des Wiener Konzerthauses."

Erwin Ortner, Gründer und künstlerischer Leiter des Arnold Schoenberg Chores, im "Ö1 Morgenjournal": "Die Musik hat einen Anfang und ein Ende und so ist es auch mit dem Leben. Wir bedauern's, aber wir haben auch den Auftrag verstanden, den er uns mitgegeben hat und so können wir einfach versprechen, es nach bestem Wissen und Gewissen weiter zu tragen, das Feuer."

Komponist Karlheinz Essl junior erklärte im "Ö1 Morgenjournal", er sei schon während seines Studiums von Harnoncourts Buch "Musik als Klangrede" beeindruckt gewesen, "weil er als Interpret von Alter Musik zu einem ganz neuen Zugang gefunden hat, hinter die Oberflächen des schönen Scheins und des Klingenden zu gehen und in die Tiefenschichten der Musik einzutauchen.

Er hat eigentlich fast wie ein Komponist gearbeitet und versucht, in der Musik neue Dinge zu finden, die verschüttet worden sind und die man einfach nicht mehr wahrnimmt."

Mariss Jansons, Chefdirigent des Bayerischen Symphonieorchesters: "Die Welt hat eine sehr große Musikerpersönlichkeit verloren. Ich habe das Glück gehabt, ihn persönlich kennenzulernen, Proben und Konzerte zu erleben und Gespräche mit ihm zu führen, die mich stets außerordentlich inspiriert haben. Er war immer ein Vorbild und wird uns als solches in Erinnerung bleiben."

Jürgen Flimm, Regisseur und Intendant der Berliner Staatsoper: "Unsere Trauer ist groß. Er war einer der unersetzlichen Reformer, ohne den die Musikwelt heute anders aussähe. Wir werden ihn und alle seine Forschungen am Herzen der Musik sehr vermissen."