Erstellt am 05. Dezember 2017, 02:39

von Michaela Fleck-Regenfelder

Wolfgang Kos über Flughäfen, Postkarten & Trittsteine.. ​​​​​​​Wolfgang Kos, Radiomacher, Museumsdirektor und gebürtiger Mödlinger, sprach mit Michaela Fleck über Flughäfen, Postkarten & Trittsteine.

 |  APA/Pfarrhofer

NÖN: Vor kurzem haben Sie die Grundsatzrede bei Niederösterreichs jüngstem Kulturgespräch gehalten. Worum ging’s denn da?

Wolfgang Kos: Ich habe versucht, im Spiegel meiner eigenen Biografie von Wien nach Niederösterreich zu schauen. Und ich sehe Niederösterreich als eine erweiterte Kulturzone Wiens – und das ist ein großes Lob!

Ihr „kultureller Transferraum“ klingt aber mehr nach „Star Wars“ als nach Schiele. Wozu braucht Kultur Transfer? Und wie schaut die typisch niederösterreichische Kultur aus?

Kos: Es ist nicht wie im Flugwesen, wo man an bestimmte Orte nur hinfliegt, um umzusteigen … Es ist eher ein Transferraum zwischen abendländischer Barockkultur, Weltkulturerbe und, wie beim Donaufestival, avanciertester Elektronikmusik. Wo Niederösterreich typisch Niederösterreich ist, das sind die kleinräumigen Kulturlandschaften, die Postkarten-Idyllen.

Wobei: Räume braucht sie trotzdem, die Kultur – vom Museumsbau bis zum Donauufer.

Kos: Der Künstler ist eine Ebene, der Ort eine andere. Die Kunst im öffentlichen Raum zum Beispiel, die ist weit über Niederösterreich hinaus beispielhaft. Wien hat das imitiert, es ist aber nicht gelungen.

Sie haben als Radiomacher nicht nur akustische Räume bespielt – wie die „Musicbox“ auf Ö3 oder die „Spielräume“ auf Ö1. Sie haben als Direktor auch zwölf Jahre lang das Wien Museum am Karlsplatz bespielt. Waren Sie dort Ausstatter, Spielleiter, Regisseur? Und welche Rolle hat Ihrer Meinung nach der neue Direktor von Niederösterreichs Landesgalerie, die gerade in Krems gebaut wird?

Kos: Ich war Veranstalter, Themensetzer, Geschichtenerzähler und im weitesten Sinne Volksbildner. Das gilt auch für Christian Bauer. Er muss Neugierige finden und die Sammlung beleben. Das ist nicht einfach!

Und was macht eigentlich die Geschichte in einem Museum? Verstauben?

Kos: Nein, nein! Das Wichtigste ist, verlässlich Geschichten zu erzählen, Trittsteine in die Vergangenheit zu setzen.

Was wollen Sie unbedingt noch bespielen?

Kos: Es könnte sein, dass ich mich nach 30 Jahren wieder mit der Kulturlandschaft Semmering befasse. Und ich hoffe, dass ich oft in Museen zu Besuch komme ...