Erstellt am 04. Mai 2016, 06:14

von Thomas Jorda

nicht mein Ziel“. künstlerischer Leiter des Stadttheaters Baden, über seine Pläne.

Michael Lakner, 1959 in Wien geboren, ist Jurist, Pianist und Intendant - von 2004 bis 2016 der Operettenfestspiele von Bad Ischl, ab 2017 bis einstweilen 2021 des Stadttheaters Baden. Er folgt auf Sebastian Reinthaller, dessen letzte Saison bevorsteht.  |  NOEN, Stefan Geszti

NÖN: Wie haben Sie sich gegen einige Dutzend Mitbewerber durchgesetzt?
Lakner: Ich denke, dass ich durch ein sehr klares Konzept punkten konnte – den etablierten Weg weitergehen, aber auch sehr moderat Neues bringen.

Sie haben oft gesagt, dass Sie in Bad Ischl, wo Sie noch Geschäftsführer sind, sehr gerne bleiben wollen …
Lakner: Mein Hauptwohnsitz bleibt Bad Ischl, hier gehe ich in der Pension wieder hin. Ich war wirklich sehr glücklich, dort arbeiten zu können, wo andere Urlaub machen und wo es die beste Konditorei Österreichs gibt. Aber ich habe mich verändert, will auch künstlerisch arbeiten, Regie führen. Dafür hatte ich als Geschäftsführer in Bad Ischl keine Zeit. Die werde ich mir als Intendant in Baden nehmen können.

Wie legen Sie es in Baden an?
Lakner: Das Problem der Operette ist, dass unser Stammpublikum immer älter wird. Daher ist es extrem wichtig, junge Menschen mit diesem wichtigen Kulturgut so vertraut zu machen, dass sie sagen: Das ist eigentlich gar nicht verstaubt und altbacken. Natürlich ist das Stammpublikum extrem wichtig, aber der Kontakt zur Jugend ist einfach eine verdammte Pflicht, die von den Schulen, vom Elternhaus und den Radiosendern viel zu sehr vernachlässigt wird.

Welches Repertoire können Sie in Baden verwirklichen?
Lakner: Das Repertoire für Bad Ischl ist klein. Wir haben nur die Sommersaison und kaum Geld – das war es schwer, ein Risiko einzugehen. Baden hat ein ganz anderes Publikum. Da gibt es viele, die Operette heiß lieben und froh sind, wenn einmal ein unbekannteres Stück gespielt wird und nicht immer das „Weiße Rössl“. Dafür ist hier der Boden besser aufbereitet.

Aber nicht zu unbekannt …
Lakner: Provokation ist nicht mein Ziel, ich möchte überzeugend Stücke auf die Bühne bringen. Wenn es Sinn macht, dann sanft aktualisiert. Wenn es keinen macht, dann nicht. Auf jeden Fall möchte ich die Bild- und die Bühnensprache der heutigen Zeit anpassen.

Und Ihr erster Spielplan?
Lakner: Den sage ich nicht, aber strukturell wird er wie bisher sein. Mit einer Oper.

Endlich Richard Wagner!
Lakner (lacht): Sicher nicht.

Dann die Deutsche Spieloper?
Lakner: Da liegen Sie nicht ganz falsch.


Theatervorschau Baden

Sommersaison. Ein Jubiläum wartet auf die Freunde der Operette. Die Sommerarena im Kurpark von Baden bei Wien, deren bewegliches Glasdach sie zu einer weltweit einzigartigen Theaterkonstruktion macht, feiert ihren 110. Geburtstag. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge, muss das Haus doch bald aufwändig renoviert werden – und keiner weiß, wer es zahlt.
Was man kennt, ist das Programm, das letzte des scheidenden Intendanten Sebastian Reinthaller. Er zeigt zwei Operetten – Franz Lehárs „Frasquita“ (Premiere: 17. Juni) und Franz Schuberts „Das Dreimäderlhaus“
(8. Juli) – und im Stadttheater Frank Wildhorns Musical „Jekyll & Hyde“ (29. Juli). Als Draufgabe gibt es zwei Aufführungen eines Balletts nach Rudyard Kiplings „Das Dschungelbuch“, ebenfalls im Stadttheater (4. Juni, 25. August), dafür kein Gastspiel des Landestheaters St. Pölten.

Wintersaison. Zu den Höhepunkten der Saison, die wie Reinthallers Vertrag am 30. April 2017 endet, gehören Franz Lehárs „Der Graf von Luxemburg“, das Kindermusical „Peter Pan“, Johann Strauß’ „Der Karneval in Rom“, Leo Falls „Madame Pompadour“ und das Musical „Victor/Victoria“.

Bilanz. In der eben abgelaufenen Saison 2015/16 gab es mit einer Auslastung von 85,85 Prozent und rund 80.000 Besuchern eine Steigerung gegenüber 2014/15 (82,26 Prozent, rund 79.000 Besucher).