Erstellt am 12. Januar 2016, 05:23

von Michaela Fleck-Regenfelder

Nicht nur miese Typen. Martin Leutgeb, Theater- und Filmschauspieler, Regisseur und Autor, im Gespräch mit Michaela Fleck über Nazis und andere Verbrecher.

 |  NOEN, Seidl

NÖN: Diesen Freitag feiern Sie mit Fritz Hochwälders "Himbeerpflücker" im St. Pöltner Landestheater Premiere. Ist das ein Heimatstück? Ein Geschichtsstück? Eine Parabel?

Leutgeb: Es ist eine Komödie. Und es ist natürlich eine Farce. Als ich den Text zum ersten Mal gelesen hab’, blieb mir das Lachen im Hals stecken. Es ist auch ein Ausflug in die Vergangenheit. 1965 war das natürlich ein Skandal. Wenn’s heute noch ein Skandal wäre, dann wäre das ein Skandal!

Der Titel „Himbeerpflücker“ klingt ja mehr nach Rotkäppchen als nach Nazischergen.

Leutgeb: Das ist schon so gewollt. Hinter dem lieblichen Namen steckt ein NS-Scharführer, der während der letzten Kriegstage Gefangene beim Himbeerpflücken im Gebüsch erschossen hat. Das ist also beim besten Willen kein Märchen. Und wir spielen nicht den Zauberwald!

Der Konrad Steisshäuptl, den Sie spielen, ist ja auch kein Guter. Wie spielt man den?

Leutgeb: Sympathisch sicher nicht! Aber ich muss keinen umgebracht haben, um so einen zu spielen. Das ist alles ziemlich menschlich. Der Steisshäuptl war ja Ortsgruppenleiter und jetzt ist er Bürgermeister. Im Grunde genommen sind dort alle noch braun. So schnell wird keiner weiß!

So richtig sympathisch waren Ihre Figuren bisher selten. Da gab es Schlampen, Puffmütter, dänische Könige, korrupte Minister. Waren das die spannenderen Rollen?

Leutgeb: Ich hab’ an die 50 Berufsjahre hinter mir. Ich hab’ den Danton, den Tell und den Tartuffe gespielt. Wenn Figuren brüchig sind und doch noch was vom Leben wollen – das interessiert mich.

Zwischendurch haben Sie sich auch mal vom Theater verabschiedet, um Filme zu drehen. Warum sind Sie jetzt zurückgekommen?

Leutgeb: In St. Pölten war es die Rolle. Wenn einem das angeboten wird, muss man’s machen! Und dass Helmut Qualtinger den Steisshäuptl als Erster gespielt hat, das verlangt mir schon Respekt ab.

Was wollen Sie noch verwirklichen?

Leutgeb: Ich hab’ große Lust auf Regie! Aber ich bin für alles offen. Wenn ich was krieg’, bin ich voll dabei!



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