Erstellt am 08. Dezember 2015, 05:18

von Thomas Jorda

„Nicht ohne die Kremser“. Christian Bauer, der Leiter des neuen Museums in Krems, über seine Ziele.

Christian Bauer an der Kunstmeile Krems.  |  NOEN, lukasbeck

NÖN: Wie wird das neue Museum in Krems heißen? Galerie Niederösterreich, wie geplant?
Bauer: Wir suchen nach einem Namen, der viele Ansprüche erfüllt, aber den haben wir noch nicht. Galerie Niederösterreich war immer nur ein Arbeitstitel.

Ist das Museum die letzte Chance in Zeiten wie diesen, noch einmal viel Geld aufzutreiben?
Bauer: Keine Frage, der Neubau steht in Österreich singulär da. Das ist eine Gnade, ist ein Wunder, das stimmt. Aber dieses Wunder hat schon vor einem halben Jahrhundert begonnen, als in der nahen Minoritenkirche mit „Gotik in Österreich“ 1967 die erste Blockbuster-Ausstellung entstanden ist, lange vor dem Wiener Künstlerhaus. Der Weg wurde bis Kunsthalle und Karikaturmuseum fortgeführt. Das neue Museum ergänzt die Entwicklung, die vor fünfzig Jahren begonnen hat.

Als krönender Schlussstein.
Bauer: Das ist ein schöner Begriff. Allerdings besagt er, dass es danach aus ist. Das möchte ich nicht sagen. Es ist ein Höhepunkt, nennen wir es so.
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Ist das neue Museum in Krems ohne das Projekt eines Hauses der Geschichte in St. Pölten denkbar?
Bauer:  Man kann es auch umgekehrt sehen. Aber es stimmt. Die beiden Häuser bilden ein Paar, gehören zusammen, das eine ist ohne das andere nicht denkbar.

Was ist gut am architektonischen Entwurf des Museums?
Bauer: Marte.Marte sind Minimalisten, das Gegenteil von Selbstdarstellern. Sie fragen, was unbedingt notwendig ist, um einer Funktion gerecht zu werden. Sie nehmen alles weg, was nicht notwendig ist. Das macht das Projekt so schön. Mit 3.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche sind wir international zwar kein großes Format, es ist aber für den Standort eine gute Größe, weil der Besucher das neue Haus gemeinsam mit Kunsthalle und Karikaturmuseum erlebt.

Verstehen Sie Sorgen mancher Kremser, das Haus könnte das Weltkulturerbe beeinträchtigen?
Bauer:  Ich komme aus der Mittelalterforschung, natürlich verstehe ich das. Aber auch jedes der alten Gebäude hat erst einmal die Sehgewohnheiten der Bevölkerung gereizt und wurde erst langsam angenommen.

Was wird man im Museum sehen?
Bauer: Das große Erlebnis für die Kremser wird sein, dass sie Werke, die einen Steinwurf weit entstanden sind, erstmals dort erleben können, gemeinsam mit der Landschaft, wo sie geschaffen wurden. Wir wollen zum Beispiel die Bilder von Egon Schiele ausstellen, die er von Stein gemacht hat. Wir werden zeigen, dass vieles, was in der Gegend gespielt hat, einfach Weltklasse war und ist. Und wir wollen 2018 auf das Schiele-Jahr reagieren. Egon Schiele hat eine Strahlkraft um den Erdball.

Sie wollen Krems und das internationale Publikum erobern?
Bauer: Natürlich. Ich bin mit Max Hollein einer Meinung, dass jedes Museum zu allererst auf seine Umgebung schauen muss. Ein Museum, das nur Besuchergruppen aus dem Ausland hat und keine Kremser,
das macht keinen guten Job. Natürlich brauchen wir Menschen aus aller Welt, dafür ist die Konzeption gedacht, aber niemals ohne die Kremser selbst, die sind die Basis.