Erstellt am 11. Oktober 2016, 08:09

von Michaela Fleck-Regenfelder

Vom Töten und vom Weiterleben. Nikolaus Leytner erzählt in seinem jüngsten TV-Drama über die Stille nach einem jugendlichen Amoklauf.

„Dann ist mit einem Schlag alles ausgelöscht“: Ursula Strauss, die in Nikolaus Leytners „Die Stille danach“ die Mutter eines 15-jährigen Amokläufers spielt.  |  NOEN, Petro Domenigg/Allegro Film

„Unser Sohn hat fünf Menschen erschossen.“ Sagt der Vater. „Was? Was ist denn? Was denn?“ Schreit die Mutter. Und dann? Ist Stille. „Die Stille danach.“

So hat Filmemacher Nikolaus Leytner auch sein jüngstes Drama für den TV-Bildschirm genannt. Und erklärt: „Mich interessieren Menschen in Ausnahmesituationen.“ Dass ein 15-Jähriger mit einer Waffe in seine Schule geht, seine Mitschüler erschießt und dann sich selbst, das ist zumindest in Österreich noch immer die Ausnahme. Aber: „Ich glaube, dass so etwas bei uns möglich ist.“ Und, so Leytner weiter: „So etwas ist ja auch der Ausdruck von tektonischen Verschiebungen in der Gesellschaft.“

85 erschreckend reale Minuten

Wie die aussehen und, vor allem, wie die sich anfühlen, und zwar weniger für die Familien der Opfer, sondern in erster Linie für die Familie des Täters, das zeigt „Die Stille danach“ in 85 erschreckend realen Minuten. Den Täter, den 15-jährigen Felix sieht man darin so gut wie gar nicht, auch beste Freunde oder Großeltern fehlen.

Dafür spielt die Mutter, eine Krankenschwester, die, wie sie glaubt, bis zum Amoklauf ihres Sohnes in einer glücklichen Familie lebt, die Hauptrolle. „Das hätte in Österreich sonst niemand spielen können außer Ursula Strauss“, meint der Regisseur und Drehbuchautor. Und hat die Pöchlarnerin, die schon Nebenrollen in seinem „Ein halbes Leben“ 2009 oder „Willkommen in Wien“ 2010 gespielt hat, als Mittelpunkt einer zerbrechenden Familie besetzt.

„Die Familie ist quasi wie ein Brennglas.“ Und lenkt den Blick auch darauf, „warum solche Dinge passieren. Das gibt es ja sonst nie“. Bei Nikolaus Leytner gab es das schon öfter. Nicht nur in der Geschichte vom Vergewaltiger und Mörder (mit Josef Hader als Ulrich Lenz), der wegen seiner Schuldgefühle nur „Ein halbes Leben“ lebt. Auch im Drama um die letzte Liebe eines Alzheimer-Patienten, die mit dessen „Auslöschung“ endet (mit Klaus Maria Brandauer und Martina Gedeck 2013).

„Wir machen Kino fürs Fernsehen!“

Nikolaus Leytner

Warum er die wie auch „Die Stille danach“ nicht fürs Kino gemacht hat? „Weil es viel schneller zu realisieren ist. Und weil es unterm Strich mehr sehen“, meint Nikolaus Leytner. Und stellt klar: „Wir machen Kino fürs Fernsehen!“

Im Fernsehen ist die in Wien, Tulln („das steht für eine kleine, österreichische Stadt“), Pernitz, Gaaden und an der Hohen Wand („dort spielt die Schlussszene“) gedrehte ORF-/MDR-Produktion am 12. Oktober , 20.15 Uhr, ORF 2 zu sehen.