Erstellt am 14. September 2015, 07:02

von Thomas Jorda

Orgien und Ringkampf. Nach „Inferno“ im Bunker (Bild: Stefan Bartunek, Anna Sagaischek) wartet eine spannende neue Saison.

Stefan Bartunek, Anna Sagaischek  |  NOEN, Bettina Frenzel, Fotografin

Eigentlich ist die Wiederholung einer Produktion ein klares No-Go. Doch Ausnahmen sind erlaubt. Wenn Bruno Max, Meister der moralischen Theaterkunst, das tut, dann mit Grund.

Schließlich war die vorjährige Aufführungsserie von „Inferno“, dem höllischen Stationentheater im Bunker Mödling, so ausverkauft, dass es eigentlich keine andere Möglichkeit gab, als diesen Sommer erneut in den Hades hinabzusteigen.

Und das mit Erfolg, betrug die Auslastung doch satte 97 Prozent. „Und wieder haben sich Leute beschwert, dass sie keine Karten bekommen haben“, sagt Bruno Max, Intendant des Stadttheaters Mödling, „aber noch einmal wiederholen wir das nicht. Jeder von uns hat in den beiden Jahren 284 Mal dieselbe Szene gespielt. Da verblödet man ja!“ Was im nächsten Sommer kommt, wisse er nicht, betont er. „Ich denke nach.“

Erfreuliche Auslastung in der vorigen Saison

Nicht mehr nachdenken muss er über die nächste Saison im Stadttheater. Das wird immer besser angenommen und wies in der vorigen Saison eine Auslastung von 70 Prozent (10.700 Besucherinnen und Besucher) aus. Angesichts der spannenden Programmierung scheint eine Steigerung in Reichweite, auch deshalb, weil die Zahl der Abos (derzeit über Tausend) immer mehr und mehr steigt.

Die Saison startet am 10. Oktober mit John Steinbecks „Von Mäusen und Menschen“. Das handle, sagt Max, „von Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen. Da kennen sich unsere Darsteller gut aus. Die stecken in solchen Verhältnissen.“

Nach „Tannöd“, der Dramatisierung des Thrillers von Andrea Maria Schenkel (mit über einer Million verkauften Exemplaren, Premiere: 7. November), kommt der obligate Shakespeare. Bruno Max persönlich inszeniert erstmals „Othello“ (5. Dezember). Nach Nina Raines „Sippschaft“ (9. Jänner) und Felix Mitterers „In der Löwengrube“ (13. Februar) gibt’s dann wieder das obligate Gastrotheater.

Zu einer Adaptierung von Robert Ranke-Graves Meisterwerk „Ich, Claudius, Kaiser und Gott“ lädt Max zu einer passenden Orgie „mit Nachtigallenzungen und mit Bärenblutwurst gefüllten Giraffenhälsen … nein, das war ein Scherz. Aber eines steht fest, das Publikum wird klassisch zu Tisch liegen und Römisches verkosten.“ Premiere hat „Cena Claudiana“ am 5. März.

Dann wird es äußerst handfest. „Wrestling Rita!“ von Claire Luckham (2. April) handelt – entgegen des Titels – nicht vom Schlammcatchen, sondern von einer spannenden Geschichte in zehn brutalen Runden im Ring, wobei das Publikum Heumarktmanieren zeigen darf. Bruno Max: „Wir durchschlagen damit die vierte Wand des Theaters und gehen direkt ins Publikum. Die Bedingung für das Ensemble: drei Monate hartes Akrobatik- und Wrestlingtraining.“

Nach Neil Labutes „Das Maß der Dinge“ (30. April) wird’s noch einmal sozial anspruchsvoll und interaktiv. Bei Paul Allens „Brassed Off. Es hat sich ausgeblasen“ geht es um die wirtschaftliche Zukunft einer Gemeinde. Voll mit dabei: die Blasmusik Mödling.