Erstellt am 27. April 2016, 06:34

von Karin Widhalm

Frühstück und mehr. 15 Menschen mit Behinderung arbeiten in der eben eröffneten Frühstückspension mit „sozialem Mehrwert“ im Weinviertler Unternalb.

»Aufessen« steht im fröhlichen Frühstücksraum der neuen Frühstückspension an der Wand. Das Frühstücksbuffet machen Menschen mit Behinderung, die im angrenzenden Biobauernhof leben.  |  NOEN, Markus Fattinger, Caritas Wien

„Behindert ist, wer behindert“: Das ist ein wichtiger Satz im Leitbild der Caritas-Behinderteneinrichtungen im Weinviertel – und trifft zum Beispiel bei der Suche nach einem Arbeitsplatz für Menschen mit Behinderung zu. Die Caritas-Werkstätten bieten in verschiedenen Tätigkeitsfeldern eine Möglichkeit zum Arbeiten – und jetzt ist eine Einzigartige dazugekommen.

Der Biobauernhof in Unternalb, in dem Menschen mit intellektueller Behinderung wohnen und arbeiten, hat seit Anfang April eine Frühstückspension. Sie ist im Westflügel in der früheren Propstei des Stiftes Göttweig untergebracht: Dieser Teil des Dreikanthofes diente lange Zeit als Pfarrhof.

Architektur-Studenten tüftelten an den Plänen und packten mit den Caritas-Klienten und Fachleuten in der 17-monatigen Bauphase mit an. Sie entwickelten auch den Namen „Obenauf“.

Architektur-Studenten packten mit an

„Generell war’s eine riesengroße Erfahrung für die Studierenden“, berichtet Architektur-Professor Peter Fattinger. „Die größte Herausforderung war, die Wünsche der Caritas mit den Ideen von 25 angehenden Architekten auf einen Nenner zu bringen“, erzählt Student Max Hofmann. Aber: „Wir sind an unseren Aufgaben gewachsen.“

Fünf, teilweise barrierefreie Gästezimmer mit zehn Betten sind dabei entstanden. Die Raumhöhe von 4,8 Metern wurde vollauf genutzt: Holzboxen wurden eingebaut, die innen das Bad beherbergen und außen über eine Stiege begehbar sind. Man achtete auf die Bewahrung des historischen Bestandes, der mit modernem Holzmobiliar aufgepeppt wurde.

Arbeitsplätze für 15 Menschen

15 Menschen mit Behinderung haben dort Arbeitsplätze bekommen – überziehen die Betten, kümmern sich um die Reservierungen oder richten das Frühstücksbuffet. Für Caritas-Generalsekretär Klaus Schwertner ist das „ein Tourismusbetrieb mit sozialem Mehrwert“.

„Mit diesem Projekt möchten wir eine Vorbildfunktion übernehmen“, sagt Thomas Krottendorfer, Leiter der Caritas-Behinderteneinrichtungen im Weinviertel. Er hätte gleich noch eine weitere Vision für die dort arbeitenden Menschen mit Behinderung als nächsten Schritt parat: ein eigenes Einkommen und damit eine eigene Sozialversicherung.  

www.obenauf.cc