Erstellt am 11. Oktober 2016, 06:01

von Michaela Fleck-Regenfelder

"Theater erobert Räume". Sabine Mitterecker, Regisseurin, Dramaturgin, Produzentin, Nestroy-Preisträgerin & gebürtige Böheimkirchnerin, sprach mit Michaela Fleck.

Sabine Mitterecker, Regisseurin, Dramaturgin, Produzentin, Nestroy-Preisträgerin  |  Fill, Fill

NÖN: Diesen Donnerstag feiern Sie mit Elfriede Jelineks „Schatten (Eurydike sagt)“ in Wien Premiere. Was gibt’s denn da zu sehen?

Mitterecker: Einen spannenden Theaterabend mit drei wunderbaren Schauspielerinnen, die Elfriede Jelineks Sprachmusik leicht und feingliedrig im Raum entfalten.

Der Titel klingt ja eher abgründig als romantisch. Und die Autorin steht nicht unbedingt für leichte Bühnenkost.

Jelinek – schwer, düster und viel Text. Das ist ein Klischee, das sich schnell verflüchtigt, wenn man sich ernsthaft mir ihr befasst. Sie ist eine Komponistin der Worte. Ihre Texte fordern alles von allen, aber sie gibt unendlich viel zurück.

Mit Ihrer freien Gruppe Theater.Punkt haben Sie schon viele Ur- und Erstaufführungen gespielt. Auch „Schatten“ ist ja gerade einmal drei Jahre alt. Was haben zeitgenössische Stücke, was klassischen fehlt?

Ob ein Text einen Monat oder 2.500 Jahre alt ist – wir müssen ihm immer erst entreißen, was wir daraus über uns erfahren können. Ich bin sehr glücklich, diesmal mit einer lebenden Autorin zu arbeiten, mit der ich auch reden kann – am wenigsten übrigens über das Stück.

Bernhards Nestroy-prämierten „Frost“ haben Sie auch in der Kremser Kunsthalle gespielt, „Schatten“ in einer ehemaligen Sargfabrik. Wie wichtig ist der Ort fürs Theater?

Theater funktioniert noch immer ganz gut auf den Guckkastenbühnen des 19. Jahrhunderts, aber es kann mehr. Es erobert Räume. Das war in Krems so, in den Deichtorhallen in Hamburg und wird auch in der Fabrik so sein. Die imaginierten Särge sind dort für uns weniger ein Thema, wir sind ja nicht bei den „Munsters“.

Funktioniert freies Theater nur in einer Großstadt? Und wie kann frau davon leben?

Derzeit schlecht, aber die Dinge beginnen, sich zu wandeln. Mich stört, dass man meist nur von der Institution spricht, wenn man über Theater redet. Nicht Hütten und Paläste sind wichtig, sondern die, die darin arbeiten. Eine Theater-Compagnie auf dem Land? Das geht, wenn Budgets, Proben- und Aufführungsmöglichkeiten da sind und man auch an anderen Orten spielen kann.