Pöggstall

Erstellt am 04. April 2017, 00:42

von Michaela Fleck-Regenfelder

Eröffnung: Im Namen des Rechtes. Um Räuber und Mörder, um Gesetze und Strafen, um Recht und Unrecht dreht sich Niederösterreichs frisch eröffnete Landesausstellung. Ein Rundgang durch Schloss Pöggstall.

Platz nehmen und Recht sprechen: Landesausstellungskuratorin Elisabeth Vavra vor den modernen Schöffen-Bänken, die im historischen Schloss Pöggstall nicht nur zum Hinsetzen einladen wollen.  |  www.eSel.at

Eine Ausstellung über das Recht? Und die Gerechtigkeit? In einem 750 Jahre alten Gemäuer? Kein leichtes Unterfangen. Erst recht nicht für eine Landesausstellung.

Wobei: Man hätte, um es sich leicht zu machen, auch die Kerker im Keller aufsperren können. Einen Pranger in den Burghof stellen können. Und ein paar Gesetzestexte in die Gewölbe legen können.

Hat man aber nicht. Weil: Kerker gibt es (zumindest heute) keine im Pögg staller Schloss, das einst Kunstmäzenen, die sogar Schätze aus der Petersburger Eremitage ihr Eigen nannten, gehört hatte.

"Das Schloss ist etwas schwierig"

Statt eines Prangers hat man gleich einen Galgenpfahl mitten in einen der vielen, kleinen, überwölbten Ausstellungsräume gestellt („Das Schloss ist etwas schwierig“, gibt auch Historikerin Elisabeth Vavra zu).

Und die Gesetzestexte? Die hat man lieber als Zitate an die Wände geschrieben. Vom Alten Testament bis zum russischen Sprichwort und von Kaiser Franz I. bis zu Oscar Wilde („Es dauert“, so Elisabeth Vavra, die gemeinsam mit Wolfgang Schmutz und Thomas Zaglmaier für die Inhalte von Niederösterreichs vergangenen Freitag eröffneten Landesausstellung zuständig ist, „einen ganzen Tag, bis allein die Titel aller wichtigen Gesetze als Spruchband durchgelaufen wären“).

Zwischen dem Galgenpfahl und den Wandzitaten leuchtet ein Landrechtsbuch aus 1268, ein Waidhofner Banntaidingsbuch aus 1563 oder Maria Theresias Constitutio Criminalis aus 1768 in bauchigen Vitrinen, drohen hölzerne Halsgeigen, eiserne Schandmasken und barbusige Lästersteine, winken eiserne Arme mit Schwertern von der Wand, spielt eine sechs Quadratmeter kleine Gitterzelle Gefängnis, schockiert eine Weltkarte der aktuell praktizierten Todesstrafen oder erzählen drei Räume vom „Unrechtsstaat“ des NS-Regimes.

Weder eine Schau für Historiker noch „eine für Juristen“ hat man im außen strahlend weiß und innen beeindruckend stimmig renovierten Schloss mitten am Pöggstaller Hauptplatz gemacht. Sondern statt dessen versucht, „eine Brücke zu schlagen, von der Vergangenheit in die Gegenwart“, so Elisabeth Vavra.

Mit Diskussionsräumen, mit einem 120 Seiten starken, überall aufliegenden Katalog. Und mit einem stilisierten Gerichtssaal, der Gerichtsfilme am Bildschirm, Richtertalare am Garderobenständer und Bänke aus Hartfaserplatten hat, die sagen: „Bitte Platz nehmen!“

Bis 12. November im Schloss Pögg stall, www.noe-landesausstellung.at