Erstellt am 15. Dezember 2015, 06:13

von Thomas Jorda

"Gemeinsame Wurzeln". Alena Heribanová, die Leiterin des Slowakischen Instituts in Wien, will den Kulturaustausch zwischen Niederösterreich und der Slowakischen Republik fördern.

Zdenka Becker, St. Pöltener Schriftstellerin mit slowakischen Wurzeln (rechts), war am 21. November Gast von Alena Heribanová in der Talkshow Anjeli strázni (Schutzengel). Ausgestrahlt wird sie im slowakischen Fernsehen RTVS (Rozhlas a televízia Slovenska). Der genaue Titel dieser konkreten Sendung: »Anjeli strázni Zdenky Beckerovej«.  |  NOEN, RTVS

Seit Ende November ist St. Pölten Sitz eines Honorarkonsulates der Slowakischen Republik. Veit Schmid-Schmidsfelden, der Vorstand des Weinviertler Metallwarenerzeugers Fertinger, residiert als Honorarkonsul in einem Büro Ecke Domgasse und Kremsergasse. Und wird kräftig von der Direktorin des Slowakischen Instituts in Wien unterstützt. Alena Heribanová, seit April 2013 in dieser Funktion, möchte die kulturellen Verbindungen zwischen Niederösterreich und der Slowakei fördern.

Heribanová ist das, was man eine Powerfrau nennt. Geboren 1955 in Pistyan, verheiratet, zwei Töchter, erfolgreiches Universitätsstudium, große Karriere beim slowakischen Fernsehen, von Ansagerin über Moderatorin bis hin zur eigenen Talkshow („Schutzengel“), die sie seit dreizehn Jahren jeden Samstagabend leitet. Und dabei zu Gast hat, was gut und teuer ist, von Václav Havel, José Cura, und Edita Gruberova über Jeremy Irons, Omar Sharif und Franco Nero bis hin zu Waris Dirie und Ennio Morricone.

Jüngst zu Gast war die erfolgreiche Autorin Zdenka Becker, geboren in Pressburg, aber seit 1983 mit ihrer Familie daheim in St. Pölten. Sie ist äußerst zufrieden mit dem Echo: „Heribanovás Sendung sehen einfach viele Menschen.“

Haben gemeinsame Geschichte

Alena Heribanová, die ausgezeichnet Deutsch spricht und außerdem noch als Vizepräsidentin des EUNIC Austria fungiert, des Zusammenschlusses aller Kulturinstitute der EU in Wien, sieht ihre Tätigkeit nicht als Einbahn: „Meine Aufgabe besteht nicht bloß darin, uns in Niederösterreich zu präsentieren, sondern ich möchte das Gemeinsame suchen und zeigen, dass wir eine gemeinsame Geschichte haben und gemeinsame Wurzeln. Wir wollen Kontakte knüpfen, nach und von der Slowakischen Republik.“

Zu den ersten entsprechenden Projekten gehört ein Gastspiel der Slowakischen Philharmonie im Sommer in Grafenegg. Und eine Ausstellung von Haban-Keramik in St. Pölten. Die Slowakische Philharmonie in Pressburg ist das bedeutendste Orchester der Slowakei, die Haban-Keramik eines der wichtigsten Kulturgüter des Landes. Die Volksgruppe der Habaner musste wegen ihrer religiösen Lehren aus der Schweiz und den Niederlanden flüchten. Die besonders geschickten Töpfer fanden damals Zuflucht in Oberungarn, heute ein Teil der Slowakei.

Und Heribanová plant auch blaugelbe Gastspiele in der Slowakei. Das erste wird eine Lesereise von Zdenka Becker sein. Die weiß: „Die Geografie lässt sich nicht überlisten – Kunst kennt keine Grenzen!“