Erstellt am 05. Januar 2016, 05:48

von Thomas Jorda

Soziales Wohnen, buntes Design. Seine Entwürfe haben Generationen geprägt, dennoch ist der Badener Josef Frank hierzulande kaum bekannt.

Wirkt immer noch hochmodern: Josef Frank, Sofa, Stoffbezug Brazil, Dreißigerjahre.  |  NOEN, Svenskt Tenn, Stockholm

Josef Frank wurde am 15. Juli 1885 als Sohn eines jüdischen Textilwarenhändlers während eines Sommeraufenthalts der Familie in Baden bei Wien geboren. Er wurde in Sachen Architektur und Design stilprägend, auch wenn er hierzulande eher unbekannt blieb.

Josef Frank jedenfalls beschäftigte sich als junger Architekt intensiv mit der Frage der Arbeiterwohnungen.

Besonders bedeutend wurde die von ihm 1920 in Pernitz errichtete Siedlung Ortmann für die Arbeiter der gleichnamigen Papierfabrik. Er setzte als Erster in großem Umfang Beton als Baustoff ein und errichtete die Reihenhäuser mit je einem Balkon und einem Garten, in dem die Bewohnerinnen und Bewohner Obst und Gemüse anbauen konnten, was nach dem Ersten Weltkrieg besonders wichtig war.

Diese Arbeitersiedlung war nicht nur einer der ersten ihrer Art, sondern auch besonders sozial geplant. So hielt Josef Frank fest, dass eines der Häuser „samt kompletter Einrichtung bloß 100.000 Kronen kosten“ würde, „eine Summe, die – vor allem bei ratenweiser Bezahlung – auch für die minderbemittelten Kreise der erwerbenden Bevölkerung erschwinglich wäre“.

Zu weiteren wichtigen Arbeiten Franks gehörten die Villa Beer in der Wiener Wenzgasse 12 und die 1932 unter seiner Leitung errichtete und immer noch bewohnte Wiener Werkbundsiedlung in Hietzing. Vor den Nazis ging Frank 1933 nach Schweden – und traf dort die schwedische Textilkünstlerin Estrid Ericson, die 1924 das Designunternehmen Svenskt Tenn (Schwedisches Zinn) gegründet hatte. Anfangs verkaufte Ericson nur Zinnstücke, 1930 erweiterte sie das Sortiment auf Stoffe und Möbel.

Ab 1934 arbeitete Josef Frank eng mit der Firma zusammen und wurde einer ihrer renommiertesten Designer. Was er schuf, entsprach seinem Motto „Man kann alles verwenden, was man verwenden kann“. Mit diesem undogmatischen, anti-formalistischen Gestaltungsansatz war er in Sachen Buntheit und Phantasie der Zeit weit voraus. Er stellte Gebrauchszweck und Komfort über formale Vorgaben und war richtungsweisend. IKEA lässt grüßen.

Die Schau „JOSEF FRANK: Against Design“ ist bis 3. April im Wiener MAK, Stubenring 5 zu sehen. Eine eigens errichtete Filiale der Firma Svenskt Tenn ist bis 17. März in der Radetzkystraße 5 zu bewundern.