Erstellt am 19. Januar 2016, 05:38

von Thomas Jorda

Im Boden tief versteckt. „Verborgene Landschaft“ – unter diesem Titel präsentiert das MAMUZ die neuesten Erkenntnisse rund um geheimnisvolle Steinkreise und Grabenanlagen.

Das Plakatsujet der Stonehenge-Ausstellung in Mistelbach gibt sich spekulativ-mystisch. Die Schau selbst will sich ausschließlich auf streng wissenschaftliche Erkenntnisse abseits der Esoterik beschränken.  |  NOEN, Atelier Olschinsky

„Das wird die attraktivste Ausstellung des Jahres“, ist Matthias Pacher vom Museum Mistelbach (MAMUZ) überzeugt. Sein Kurator Wolfgang Neubauer ergänzt: „Wie werden ein wissenschaftliches Feuerwerk entzünden!“

Neubauer wurde vor wenigen Tagen erst als „Wissenschaftler des Jahres 2015“ ausgezeichnet. Das macht den Weinviertler aus Föllim nahe Poysdorf natürlich stolz. „Ich freue mich sehr darüber. Es ist mir ein Anliegen, der Öffentlichkeit zu zeigen, wie wichtig Archäologie ist.“

Vor allem seine Form der Archäologie. Mit Hilfe von geomagnetischer Prospektion und Bodenradarmessungen entdecken Neubauer und sein Team, was tief im Boden versteckt ist – ohne um teures Geld auf Verdacht graben zu müssen. So hat er die weit über viertausend Jahre alten Kreisgrabenanlagen in Niederösterreich entdeckt und rund um das 2.500 Jahre alte englische Stonehenge sensationelle Funde viel früheren Datums gemacht, die zum Teil auch ans Tageslicht gebracht wurden.

Gemeinsam mit dem englischen Stonehenge-Forscher Julian Richards präsentiert Neubauer beeindruckende Exponate, gewaltige Rekonstruktionen von über sieben Meter hohen Steinen zum Beispiel (vor dem entsprechenden Landschaftspanorama), aber auch den Nachbau einer der in der Nähe gefundenen Grabanlagen, eines Long Barrows. Die heimischen Kreisgrabenanlagen finden in der Ausstellung aber ebenfalls Platz.

Natürlich wird es auch viele Originale geben, zum Beispiel einen Pinkstone, ein Feuerstein, der durch Braunalgen beeindruckend rosa gefärbt wurde. Oder der größte bisher in England gefundene Kupferdolch – dessen Metall aus einem Salzburger Bergwerk stammt.

Was es nicht gibt, sind esoterische Spekulationen la Miraculix. Die mag Neubauer gar nicht: „Die Kelten kamen zweitausend Jahre später. Da war Stonehenge längst eine Ruine.“

20. März bis 27. November,
www.mamuz.at