Erstellt am 09. Juni 2016, 06:15

von Thomas Jorda

Tapfer den Tod in der Schlacht erlitten. Markgraf Ernst regierte die Mark im Osten von 1055 bis 1075 mit großer Weitsicht.

Markgraf Ernst wird in der Schlacht an der Unstrut verwundet. Bild um 1490, Stift Klosterneuburg.  |  NOEN, SK

Kein Kämpfer. Streitlustig war er nicht, der Markgraf Ernst, Sohn und Nachfolger von Adalbert dem Siegreichen. Mit Siegen hatte er es eher nicht, überhaupt neigte er weniger zum Kämpfen als zum Regieren. So begann in seiner Zeit die Kolonisation des Waldviertels durch die Kuenringer. Doch war ihm das Schicksal nicht geneigt, wie der Beiname "der Tapfere" zeigt.

Canossagang. Ernst kam zum Zug, weil sein älterer Bruder Leopold bereits 1043 gestorben war. Ernst, geboren 1027, regierte die Mark im Osten von 1055 bis 1075 mit großer Weitsicht. Dennoch musste er im Investiturstreit zwischen König Heinrich IV. und Papst Gregor VII. (Stichwort: Canossagang) Partei beziehen und sich auf die Seite des Königs schlagen. In einer Schlacht Heinrichs gegen die Sachsen wurde er an der Unstrut (Nebenfluss der Saale in Thüringen) so schwer verletzt, dass er noch am selben Tag starb.

Schädel aufgesprengt. Er wurde im Stift Melk begraben. Als man 1968 seine Gebeine barg, zeigte sich, dass die linke Schädeldecke oberhalb des Jochbeines durch den Hieb einer Streitaxt bis zum Schädeldach hin aufgesprengt worden war. Die Schwere der Verletzung dürfte ihm den Beinamen „der Tapfere“ eingetragen haben.

Nächste Woche: Schöner Leopold