Erstellt am 12. November 2015, 07:58

von NÖN Redaktion

Töne mit Seele. August Zirner, Theater- und Filmschauspieler, Grimme-Preisträger und Flötist, im Gespräch mit Michaela Fleck über Jazz und mehr.

August Zirner  |  NOEN, Johannsen

NÖN: Diesen Freitag spielen Sie mit dem Essener Spardosen-Terzett im Stift Dürnstein. Was gibt’s denn da zu hören?

Zirner: Zwei Seiten einer Münze. Die eine ist der Text, das sind auch autobiografische Geschichten, die andere Seite ist die Musik. Oder: die Seele und der Verstand.

Der Titel „Diagnose: Jazz“ klingt ja eher nach Krankenzimmer als nach Konzertsaal. Braucht der Jazz heute noch immer Geburtshelfer?

Zirner: Wir sind eh unglücklich mit dem Titel. Es sollte ursprünglich heißen „Einmal Ich und zurück“. Der Jazz kann alles sein, vom Supermarkt-Hintergrund bis zu Keith Jarret. Das macht ihn ja so spannend! Aber für viele ist es immer noch ein Reizwort.

Die drei, die bei Ihnen im Mittelpunkt stehen – Thelonious Monk, Charles Mingus & Roland Kirk – standen immer ein bisschen im Schatten von Lichtgestalten wie Louis Armstrong. Was macht die noch immer hörenswert?

Zirner: Das waren meine Vorbilder, als ich als Jugendlicher in Amerika Flöte und Saxofon gelernt habe. Und ich bin jetzt an ihnen hängen geblieben, weil sie alle Sprachberserker sind. Monk hat radikal nichts gesagt, Mingus hat auch mal das Publikum beschimpft. Und Kirk war ein Aktionist.

Stichwort: Flöte. Bei „Diagnose: Jazz“ lesen Sie nicht nur, Sie spielen auch. Was braucht der Ton, worauf das Wort verzichten kann?

Zirner: Schöne Frage! Das Wort braucht auch einen Klang. Der Ton braucht nicht unbedingt ein Wort. Trotzdem kämpfe ich darum, dass jeder Ton eine Bedeutung hat!

Ihre Urgroßeltern hatten in der Monarchie eines der größten Wiener Bekleidungsgeschäfte. Ihre Eltern mussten als Juden vor Ihrer Geburt in die USA emigrieren. Was braucht Europa angesichts von Wirtschaftskrisen und Flüchtlingsströmen derzeit am dringendsten?

Zirner: Was jetzt stattfindet, ist eine Art Katharsis. Und es ist eine Aufforderung. Wir haben viel zu lange die Kriege woanders führen lassen.

Was wollen Sie noch verwirklichen?

Zirner: Ich bin glücklich! Ich spiele in München den Nathan, ich spiele mit meinem Bassist den „Kleinen Prinz“, und ich bin mit dem Jazz auf Tour.   www.wachauinechtzeit.at