Erstellt am 16. Februar 2016, 06:34

von Thomas Jorda

Verhaftet, verschleppt. Der Fall Margarethe Ottillinger, ein dunkles Kapitel der österreichischen Zeitgeschichte, wurde mit Ursula Strauss verfilmt - basierend auf Studien von Stefan Karner.

Ein wichtiges Kapitel der Zeitgeschichte. Margarethe Ottillinger (Ursula Strauss) und Peter Krauland (Markus Schleinzer) beim Überqueren der Ennsbrücke.  |  NOEN, ORF/EpoFilm/Hubert Mican

5. November 1948. Ein Wagen quert die Ennsbrücke, Checkpoint zwischen der amerikanischen Besatzungszone im Westen und der russischen im Osten. Rotarmisten stoppen das Auto, kontrollieren die Insassen.

Das sind Peter Krauland (1903 bis 1985), Minister für Vermögenssicherung und Wirtschaftsplanung, und seine enge Mitarbeiterin und wohl auch Lebensgefährtin Margarethe Ottillinger (1919 bis 1992). Die Russen verschleppen die Beamtin in die Badener Villa Nicoladoni, das gefürchtete Gefängnis der russischen Geheimpolizei.

Ottillinger wird nach Russland gebracht und 1955 freigelassen. Während sie ihre Karriere als Sektionschefin und Vorstandsdirektorin der OMV beendet, muss Krauland Anfang der Fünfzigerjahre die politische Bühne unehrenhaft verlassen. Er hatte öffentliche Gelder missbräuchlich verwendet.

Ottillinger ist tiefgläubig. Sie berät Kardinal Franz König und fördert großzügig die Errichtung der Wiener Wotruba-Kirche.

Spekulationen über Verschleppung

Über die Ursachen von Ottillingers Deportation wurde viel spekuliert. Manche glauben, sie sei Mächtigen (Krauland selbst?) im Weg gestanden, andere vermuten, die Aktion wäre ein russischer Warnschuss gegen den besonders US-freundlichen Minister Krauland gewesen.

Über die Hintergründe will nun ein Beitrag der Serie Universum History Auskunft geben, der am 4. März, 22.45 Uhr auf ORF 2 ausgestrahlt wird. In den Spielszenen agieren Ursula Strauss als Margarethe Ottillinger und Markus Schleinzer als Peter Krauland.

Basis des Streifens sind Forschungen des Grazers Stefan Karner, dem Thinktank des niederösterreichischen Hauses der Geschichte, in russischen Staatsarchiven.

Bereits diese Woche erscheint der von ihm herausgegebene Band „Im Kalten Krieg der Spionage. Margarethe Ottillinger in sowjetischer Haft 1948-1955“ (19,90 Euro, StudienVerlag).