Erstellt am 09. Februar 2016, 03:08

von Thomas Jorda

Vom Kinderkriegen. Der eben erschienene Roman von Gertraud Klemm beschreibt beklemmend die Sehnsucht einer Frau nach Nachwuchs.

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Setzt die Regel ein, kann das zweierlei bedeuten. Entweder, dass nichts passiert ist. Oder, dass nichts passiert ist. Im ersten Fall seufzt die Frau erleichtert auf, im zweiten drängt Verzweiflung ins Gemüt. Schon wieder nichts, trotz aller Mühe.

Gertraud Klemm ist eine Erfolgsautorin. Erst wenige Romane, aber viele Preise und noch mehr Lob. In Deutschland vor allem überschlagen sich die Kritikerinnen und Kritiker.

Vor sechs Jahren hat sie einen kurzen Prosatext veröffentlicht, „Mutter auf Papier“. Darin beschreibt sie das komplexe Leben einer Frau, die keine Kinder bekommen kann und dabei einer Gesellschaft ausgeliefert ist, deren Verständnislosigkeit sehr oft grausam und deren Ungläubigkeit nicht selten verletzend ist.

Beeindruckent offene Schilderung

Klemm hat in ihrem jüngsten Roman – „Muttergehäuse“ – das Thema und den Text wieder aufgenommen, sprachlich präzisiert, ausgeformt, aber auch verdichtet. Mutig spricht sie die Probleme einer Frau an, die keine Kinder kriegen kann. Die Aggression, mit der sie die vielen Situationen schildert, die damit einhergehen, beeindruckt.

Klemm schwafelt kein romantisches Zeugs. Sie steht zum Kinderwunsch, will sich aber nicht dafür entschuldigen, dass es nicht funktioniert. Im Gegenteil, sie urteilt hart über das Unverständnis der Umgebung, die mangelnde Sensibilität anderer Frauen. Ja, verdammt noch einmal, sie kann keine Kinder bekommen. Dafür bittet sie niemand um Verzeihung, entschuldigt sich bei keinem, schon gar nicht bei den Frauen im Vollbad kollektiver Muttergefühle.

"Braune Haut kein Hindernis für Muttergefühle"

Gertraud Klemm ist den Weg der Adoption gegangen und in Südafrika fündig geworden. Braune Haut ist auch am Land kein Hindernis für gute Muttergefühle, befindet sie schließlich.

Der Weg dorthin ist sehr hart. Bei leiblichen Eltern wird jede Fähigkeit zum Mutter- oder Vatersein vorausgesetzt. Aber bei denen, die adoptieren wollen, wird inquisitorisch das Innere nach außen gekehrt und ein bürokratischer Veitstanz aufgeführt, der seinesgleichen sucht.

Klemm beschreibt all das beeindruckend, bezieht Position, zwingt die Leserinnen und Leser mitzufühlen, mitzuleiden, Stellung zu beziehen. Knapp und hart formulierte Bilder und Metaphern, dazu packende Traumsequenzen machen den Text sehr dicht, aber nicht schwer. Oft erkennt man sich und andere darin; mit und ohne Kinder.