Erstellt am 05. Oktober 2015, 07:28

von Thomas Jorda

Von Gentlemen, Mäusen und der Atomlobby. Der kommende Samstag ist dicht gespickt mit bemerkenswerten Theaterproduktionen und einer nicht weniger spannenden Vernissage. Unsere Vorschau macht darauf Appetit.

Ernst ist das Leben (Bunbury) Pascal Lalo, Fabian Krüger, Lisa Weidenmüller  |  NOEN, Christian Husar
Die Saison ist noch jung im Landestheater St. Pölten. Deshalb greift man gerne zu bereits Gespielten, in diesem Fall zu Oscar Wlldes 1895 uraufgeführten Gesellschaftskomödie "Ernst ist das Leben", auch "Bunbury" genannt. Das Original von Oscar Wilde hat Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek neu gefasst. Die Premiere fand in der Sommerarena Baden statt und stieß auf durchaus geteilte Zustimmung.

Kurz zum Inhalt: Um sich unliebsamen Aufgaben zu entziehen, greifen die Lebemänner Algernon und Jack unabhängig voneinander auf denselben Trick zurück: Algernon gibt vor, seinen schwer kranken, aber fiktiven Freund Bunbury auf dem Land zu besuchen, um der Einladung seiner Tante zum Kaffee zu entgehen. Jack dagegen zieht es des Amusements wegen vom Land in die Stadt: Er täuscht einen Besuch bei seinem missratenen wie ebenso fiktiven Bruder Ernst vor. Dessen Identität nimmt er in der Stadt an, sehr zum Gefallen von Algernons Cousine, die ohnehin nur einen Mann ehelichen will, dessen Name Ernst ist ...

Zusammen mit Kostümbildnerin Nicole von Graevenitz und Bühnenbildner Moritz Müller sorgt die Niederländerin Maaike van Langen für die Umsetzung der Komödie. Dabei spielen Burgschauspieler Fabian Krüger und der französische Schauspieler Pascal Lalo erstmals, Babett Arens und Cornelia Köndgen erneut im Landestheater. Premiere ist am 10. Oktober, 19.30 Uhr.

"Von Mäusen und Menschen" am Stadttheater Mödling

Am selben Tag und zur selben Zeit startet das Stadttheater Mödling in die neue Saison und bringt "Von Mäusen und Menschen" nach einem Roman des Literaturnobelpreisträgers John Steinbeck.

Die USA zur Zeit der großen Wirtschaftskrise in den Dreißiger Jahren: Wie Millionen Entwurzelter ziehen zwei ungleiche Wanderarbeiter auf der Suche nach einem Saisonjob übers Land: George, der auf ein besseres Leben hofft, und Lennie, der zwar bärenstark und freundlich, aber ein bisschen langsam im Kopf ist. Auf einer großen Farm können sie ein paar Dollar als Erntehelfer verdienen, doch fällt es George schwer, gleichzeitig seinen Lebenstraum von einem eigenen kleinen Hof nicht aus den Augen zu verlieren und den ebenso kindlichen wie gefährlich tollpatschigen Lennie aus Schwierigkeiten heraus zu halten.

Die brutale Hierarchie und der Alltagsrassismus auf der Farm und die unausgelastete junge Frau des Sohns vom Boss machen es den beiden auch nicht leichter. Als Lennie einen Hundewelpen versehentlich aus lauter Liebe erdrückt, beginnt eine Entwicklung, die in die Katastrophe führt ...

Die Bühenfassung hat Intendant Bruno Max besorgt; er führt auch Regie. Marucs Ganser formt den Raum der Bühne. Es spielen Melanie Flicker, Paul Basonga, Roman Binder, Sebastian Blechinger, Franz Robert Ceeh, Philipp Stix und Michael Werner.

x  |  NOEN, Christian Husar
Und noch ein theatraler Event an diesem Samstag, wenn auch um 20.15 Uhr. Das Wald4tler Hoftheater in Pürchbach zeigt: "T wie Tsunami". Das erfolgreiche Soloprogramm der in Japan geborenen Tänzerin Yukie Koji setzt sich mit den anderen Sichtweisen auf die Atom-Katastrophe von Fukushima auseinander. Das Tanzstück entstand in einer Zusammenarbeit der international engagierten Tänzerin mit dem Regisseur Hanspeter Horner und hatte im August dieses Jahres im Center for Choreography Bleiburg seine Uraufführung.

Yukie Koji führt mit expressiver Körperkunst in genialer Ausstattung einem staunenden Publikum vor, wie seit Fukushima Atomlobby und Politik die Pressefreiheit unterdrücken und das Volk belügen. Der Einsatz der Sprache auf Japanisch und Deutsch soll nicht von den Aktionen der japanischen Tänzerin ablenken.

x  |  NOEN, Foto: Christian Redtenbacher
 
Und noch ein Event an diesem Samstag, aber bereits um 11 Uhr. Da wird im Forum Frohner in Krems-Stein die Schau "Das Prinzip Collage"erpöffnet (dauert bis 31. Jänner 2016).

Im Werk Adolf Frohners spielt die Collage eine zentrale Rolle. Er nutzte das Verfahren während seines gesamten Schaffens und erprobte die Variationen dieser Technik anhand spezieller Themenkomplexe. Diese bilden den Ausgangspunkt dafür, dem Prinzip Collage in zeitgleichen österreichischen Positionen nachzuspüren und Impulse bis in die Gegenwart zu skizzieren.

Kuratorin Elisabeth Voggeneder hat für die Ausstellung folgende KünstlerInnen ausgesucht: Marc Adrian (1930–2008), Alexandra Baumgartner (geb. 1973), Franz Beer (geb. 1929), Christian Eisenberger (geb. 1978), Padhi Frieberger (geb. 1929), Adolf Frohner (1934–2007), Elfriede Mejchar (geb. 1924), Otto Muehl (1925–2013), Arnulf Neuwirth (1912–2012), Oswald Oberhuber (geb. 1931), Ingeborg Pluhar (geb. 1944), Hermann Painitz (geb. 1938), Thomas Riess (geb. 1970), Gerhard Rühm (geb. 1930), Judith Saupper (geb. 1975), Daniel Spoerri (geb. 1930), Curt Stenvert (1920–1992), Ingeborg Strobl (geb. 1949 und André Verlon (1917–1994).

x  |  NOEN, Foto: Christoph Fuchs