Erstellt am 23. Dezember 2015, 04:23

von Michaela Fleck-Regenfelder

Weihnachtswünsche. Helmut Wiesinger, Schauspieler und seit 17 Jahren am St. Pöltner Landestheater engagiert, im Gespräch mit Michaela Fleck.

Helmut Wiesinger  |  NOEN, Foto: zVg

NÖN: Gerade haben Sie im Foyer des Landestheaters aus Charles Dickens’ „Weihnachtsgeschichte“ gelesen. Wie war das?
Wiesinger: Ich war ein bisschen aufgeregt. Aber Nele Dick hat eine wunderbare Kurzfassung geschrieben. Sonst würde man ja fünf Stunden daran lesen [lacht]!

Märchen ist das ja eigentlich keines. Eher eine Anleitung für ein gutes Leben. Kann man das überhaupt spielen?
Wiesinger: Es sollte uns an die Menschenrechte erinnern. Das kann man auch als Schauspieler ausstrahlen. Mir war das persönlich immer sehr wichtig, dass man eine Haltung hat. Das Schlimmste im Theater ist Beliebigkeit und Gleichgültigkeit.

Weihnachtsgeschichten, ob mit oder ohne Moral, gibt’s im Theater ja eher selten.
Wiesinger: Was ich heute ein bisschen vermisse, ist das Miteinander. Das gilt fürs Theater, aber auch außerhalb des Theaters.

Liest es sich für Kinder anders? Spielt es sich für Erwachsene leichter?
Wiesinger: Ich glaube nicht. Erwachsenen kann man auch mal was vorzaubern. Kinder sind das unbestechlichere Publikum. Wenn man die erwischt, ist das sehr schön!

Gespielt haben Sie schon Könige, Lords, Lokführer und jetzt gerade eine Unke (im „Räuber Hotzenplotz“). Wer kommt als Nächstes?
Wiesinger: Im „Himbeerpflücker“ [Premiere: 15. Jänner] bin ich ein Arzt, der eigentlich Euthanasie betrieben hat. Und der, wie alle anderen, versucht, sein Verbrechen zu vertuschen. Das gehört natürlich auf die Bühne! Aber es ist immer schwierig, wenn man das Gegenteil von dem spielt, was man ist.

Am St. Pöltner Landestheater sind Sie schon seit 1998, als Ensemblemitglied seit 2002. Heutzutage ist das ziemlich lang.
Wiesinger: Das ist eine ganz eigene Geschichte. Ich bin in Linz Peter Wolsdorff über den Weg gelaufen. Und dann bin ich immer übernommen worden. Ich häng’ schon sehr an dem Haus!

Was wünschen Sie sich?
Wiesinger: Dass es in Europa keinen Rechtsruck gibt – das wäre mein großer Weihnachtswunsch.