Erstellt am 09. Juli 2012, 00:00

Wie damals. TEATRO BAROCCO / Im Stift Altenburg bricht eine neue Ära an. Bernd Bienert zeigt unbekanntes Musiktheater.

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VON THOMAS JORDA

Rechtliche Probleme wird Bernd Roger Bienert, international bekannter österreichischer Regisseur und Bühnenbildner, wohl kaum bekommen. Immerhin hat er sich für die Patronanz seines neu gegründeten Festivals Teatro Barocco im Stift Altenburg bei Horn des ehemaligen Präsidenten des Verfassungsgerichtshofes, Karl Korinek, versichert.

Der Spielort war in den vergangenen Jahren in den Händen von Michael Mohapp, der aber im Herbst des Vorjahres die Sommerspiele im Stift Altenburg zurückgelegt und damit den Weg für den schnell entschlossenen Bienert freigegeben hat. Dessen Konzept: Musiktheater im Stil der spätbarocken Zeit und passend zu dem wunderschönen historischen Ambiente des Stiftes und vor allem der prachtvollen Biblio- thek, die mit ihren 60 Metern zu den größten und schönsten barocken Innenräumen Österreichs zählt.

Bienert setzt bewusst auf kleine Dimensionen, nicht nur aus finanziellen Gründen: „Bei uns werden höchstens zweihundert Gäste Platz finden. Aber die Theater damals waren auch nur sehr winzig. Und ich will weg vom Gigantomanischen, ich will zeigen, wie es früher war. Das hat auch mit mir persönlich zu tun. Ich halte es nicht mehr aus, in einem Raum mit 3000 Menschen zu sitzen, wie bei den Salzburger Festspielen.“

Bienert will mit dem Teatro Barocco nicht nur die gesamte Optik von Ausstattung und Kostümen, den originalen Klang der Musik und die Intensität der Kerzenbeleuchtung der Barockzeit künstlerisch rekonstruieren, sondern auch die damals verwendete tänzerische Gestik und die Bewegungssprache der Darsteller.

Für seine erste Saison hat sich Bienert für zwei Gustostückerl des Spätbarocks entschieden. Johann Michael Haydn, Salzburger Bruder des großen Niederösterreichers, ist mit seinem exotischen „Bassgeiger zu Wörgl“ vertreten, dessen Musik nicht wie damals üblich mit italienischen Texten, sondern im ländlichen Tiroler Dialekt vertont wurde. Diese sehr witzig-freche Duett-Oper wurde zu ihrer Entstehungszeit als Operetl bezeichnet.

Das zweite Werk des Abends stammt von Georg Anton Benda, dem Erfinder des Melodrams, der von Wolfgang Amadeus Mozart sehr verehrt wurde. Das 1775 entstandene Duodrama „Ariadne auf Naxos“ wird selten gespielt. Zur Musik wird von den Schauspielern nicht gesungen, sondern gesprochen.

Bis 21. Juli, www.teatrobarocco.com