Erstellt am 30. Oktober 2015, 07:12

von Thomas Jorda

Gute Küche gesucht! - Das Essen der Wikinger. Die Männer und Frauen des hohen Nordens eroberten einst halb Europa – auf der Suche nach Speis und Trank.

Andrea Itzinger in einer modernen Darstellung der nordischen Haushaltsgöttin Frigg.  |  NOEN, Hans Kudlich

Wollen wir wirklich wissen, was jene Damen und Herren, die wir heute als Wikinger bezeichnen, gerne gekocht und gegessen haben? „Unbedingt!“, sagt Andrea Itzinger, „denn das Essen ist so wichtig! Es erzählt uns so viel von den Menschen.“

Und da gibt es viel nachzuholen. Denn die Nordmänner und -frauen, die sich selbst nie als Wikinger bezeichnet und zu keiner Zeit gehörnte Helme getragen haben, beeinflussten die Geschichte zwischen 793 (Überfall auf das Kloster von Lindisfarne) und 1066 (Schlacht bei Stamford) ungemein. Ihr Erbe findet sich heute nicht nur in Skandinavien, wo sie ja lebten, sondern ebenso in Russland, England und Frankreich.

Eigene Küche war sehr karg

„Ein Hauptmotiv ihrer Expansion war die Suche nach gutem Essen. Ihre eigene Küche war sehr karg. Und je weiter sie in den Süden kamen, desto besser schmeckte alles“, erzählt Itzinger, die für Gestaltung der Wikinger-Schau der Schallaburg zuständig ist. Tatsächlich haben die tapferen Krieger immer erst den Weinkeller (zum Beispiel eines überfallenen Klosters) geleert, dann die Küche leer gegessen und schließlich erst die Goldschätze auf ihre beeindruckenden Langschiffe gebracht.

Was also haben sie gerne gegessen? „Nicht einmal die Fachleute des Historischen Museums in Stockholm haben da eine Antwort gewusst. Also musste ich recherchieren – welche Lebensmittel gab’s in der Zeit, was konnte man mit der Technik des Mittelalters zubereiten, wie hat es wohl geschmeckt?“

Buch mit beeindruckenden Rezepten

Herausgekommen ist ein sehr schön und originell gestaltetes Buch mit viel Wissen über die Wikinger und ihre Zeit, durchsetzt mit beeindruckenden Rezepten: Suppe aus Island-Moos, vier Mal frische Dorschleber, Blutkuchen, Muscheln in Met, Schweinsohren in Suppe, Haggis und noch viel mehr. Alle Zutaten sind erhältlich, die Rezepte von der Autorin persönlich erprobt und von ihrem Mann verkostet – das Ergebnis war manchmal grenzwertig, hat aber immer herrlich geschmeckt!

Andrea Itzinger, „Das Essen der Wikinger. Kulinarische Reise auf den Spuren der Nordmänner“, 192 Seiten, 24,90 Euro, Kral Verlag.

Die Wikinger-Ausstellung auf der Schallaburg ist noch bis zum 8. November zu besichtigen.