Erstellt am 02. August 2016, 09:05

von Thomas Jorda

„Es gibt kein Ende der Entwicklung!“. Festivalleiter Rudolf Buchbinder über seinen Erfolg: „Es bedeutet eine Verpflichtung für die Zukunft.“

NÖN, Marco Borggreve

NÖN: Zehn Jahre wird Grafenegg heuer alt. Womit hat man Sie geködert, das damals unbekannte Musik-Festival zu übernehmen?
Buchbinder: Die Familie Metternich-Sandor hat schon immer Kunst und Kultur in Grafenegg gepflegt; es gab auch ein umfangreiches Musikprogramm. Die räumliche Begrenzung aber hat doch nach einer Vergrößerung verlangt. Und so entstand die Idee eines Festivals mit dem Angebot an mich, es zu leiten. Das hat mich überzeugt, da ich qualitativ keine Kompromisse einzugehen hatte und habe, um die bedeutendsten Künstler und Orchester der Musikwelt zu engagieren.

Haben Sie einmal gedacht: Warum tue ich mir das an?
Diese Frage hat sich für mich nie gestellt. Die Atmosphäre und die Arbeit mit dem Team hat uns alle immer wieder inspiriert und beflügelt.

Gab es den Moment, bei dem Sie sich gedacht haben: Jetzt ist es geschafft?
Meine Maxime lautet: Wer glaubt, etwas zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden. Das trifft genau auf Grafenegg zu: Es darf nie ein Ende der Entwicklung und Steigerung geben.

Was macht den Reiz des Festivals aus, worin besteht das Erfolgsrezept?
Dafür gibt es mehrere Gründe, nicht umsonst lautet unser Slogan „Klang trifft Kulisse“. Die Mischung aus Natur und Kultur, Kulinarik und Musik, vor allem aber die persönliche Betreuung der Künstler durch das Team hebt sich von allen anderen Festivals ab.

Sie treten auf der ganzen Welt auf. Und das in einem Alter, in dem andere schon längst in Pension gehen. Woher kommt dieser Elan.
Die Frage der Pension stellt sich in unserem Beruf nie und darf sich auch nie stellen, denn die Auseinandersetzung mit der Musik und ihrer großen Meister ist eine nicht enden wollende Aufgabe – und diese geistige Arbeit erspart mir jede andere Art des Fit-Haltens.

Sie haben, so scheint es jedenfalls, eine innige Beziehung zu Ihrer Frau Agnes. Welche Bedeutung hat Sie für Ihre Arbeit?
In all den glücklichen fünfzig Ehejahren ist meine Frau ein ganz wichtiger Teil meines Berufes. Mit ihrem Rat und ihrer Meinung hilft sie mir bei allen maßgeblichen musikalischen Entscheidungen.

In der Kunst des Klavierspiels werden Sie als Weltstar gerühmt. Was bedeutet Ihnen dieses Lob?
Es macht mich glücklich und stolz, meine Musik-Interpretationen den Menschen weltweit näherbringen zu dürfen. Das erreicht zu haben, erfüllt mich mit tiefer Freude.

Grafenegg widmet sich immer mehr der Nachwuchsförderung. Wie wichtig ist das?
Die Nachwuchsförderung zählt zu den allerwichtigsten Aufgaben unserer Zeit. Das bezieht sich nicht nur auf den aktiven, sondern auch auf den passiven Nachwuchs, sprich Publikum. Mit dem Campus und der Unterstützung des European Union Youth Orchestra fördern wir junge Musiker, um ihnen das Sprungbrett für eine Karriere zu bieten. Und mit unseren Kartenpreisen versuchen wir, der Jugend Musik näher zu bringen, denn sie werden das Publikum der Zukunft für die heute jungen Musiker sein.

Zehn Jahre sind vorbei, denken Sie schon an die nächsten? Oder haben Sie sich eine Frist gesetzt?
Zehn Jahre Erfolg bedeuten Verpflichtung für die Zukunft. Und Zukunft hat keine Frist.

Wohin wollen Sie das Festival steuern, welche Wünsche, Pläne und Ziele haben Sie in und für Grafenegg noch?
Wie in meinem Beruf als Konzertpianist: Es ist schwer, nach oben zu kommen, aber viel schwerer ist es, oben zu bleiben. So kann es nur heißen, das selbst vorgegebene hohe Niveau nicht nur zu halten, sondern immer wieder aufs Neue zu steigern, die Verbundenheit mit den Künstlern zu erhalten, die Treue zum Publikum zu pflegen – um Grafenegg international als eines der wichtigsten und der bedeutendsten Festivals zu etablieren.

 

Biografie

Rudolf Buchbinder kam 1946 im tschechischen Leitmeritz zur Welt. Bereits als Fünfjähriger wurde er – als jüngster Student! – an der Hochschule für Musik in Wien aufgenommen. Sein erstes öffentliches Konzert gab er mit neun Jahren. Seither gewann er unzählige Preise und tritt weltweit allein, aber auch mit allen großen Orchestern und Dirigenten auf. Seit 2007 ist er der künstlerische Leiter des Musik-Festivals Grafenegg.

 

Zahlen seit 2007

Der Grafenegger Musiksommer verbucht bisher – inklusive dieser Saison – 111 Abendkonzerte, das Musik-Festival 159 Abendkonzerte und Matineen. Dazu kommen Hunderte Begleitprogramme.

Bis zum Ende der Saison werden 360.000 Musikfreunde Musiksommer und Festival besucht haben.

Grafenegg hat ein Jahresbudget von 7,8 Millionen Euro, davon kommen 3,9 Millionen vom Land, 3,9 Millionen sind Eigenerlöse.