Erstellt am 10. Mai 2016, 05:54

von Michaela Fleck-Regenfelder

Zuhören als Knackpunkt. Johannes Meissl, Geiger, Kammermusiker (Artis Quartett), Uni-Professor und Akademie-Leiter, im Gespräch mit Michaela Fleck. zVg NÖN: Nächsten Montag öffnet die European Chamber Music Academy, kurz: ECMA, zum zweiten Mal ihre Pforten im Schloss Grafenegg. Wie wird die? Und was macht die?

Johannes Meissl  |  NOEN, zVg

NÖN: Nächsten Montag öffnet die European Chamber Music Academy, kurz: ECMA, zum zweiten Mal ihre Pforten im Schloss Grafenegg. Wie wird die? Und was macht die?
Meissl: Die ECMA macht seit zwölf Jahren europaweit ein gezieltes Weiterbildungsprogramm für junge, professionelle Ensembles. Und das acht Mal pro Jahr an verschiedenen Orten – wo dann heftig gearbeitet wird!

Academy klingt mehr nach Klassenzimmer als nach Konzertsaal. Wer sind da die Lehrer? Und kann man Kammermusik unterrichten?
Meissl: Alle, die bei uns unterrichten, haben eine Vergangenheit in einem bedeutenden Ensemble oder einer langen Lehrtätigkeit. Ein Teil der Unterrichtsarbeit ist die Frage, wie man Schwierigkeiten meistert. Aber Musik sind ja nicht nur Töne und Emotionen. In der Musik muss man, wie in einer Sprache, Ideen entwickeln. Und zu einer eigenen Interpretation kommen. Das ist das Wesentliche.

Nach sechs Tagen Kurs gibt’s in Grafenegg auch drei Konzertabende. Wie wichtig ist denn das Zuhören beim Spielen? Und wie viel darf man sich von anderen abschauen?
Meissl: Zuhören ist sowieso der Knackpunkt beim Kammermusikmachen! Man muss sich was abschauen. Gefährlich wird’s dann, wenn man versucht, etwas nachzumachen. Man muss etwas Eigenes sagen!

Gespielt wird in der Alten Reitschule, geprobt im ganzen Schloss. Wie wichtig ist denn der Ort für die Musik?
Meissl: Der Ort macht sehr viel aus. Der hat im besten Fall einen Geist oder eine Energie – oder nicht. Grafenegg hat das. Im letzten Jahr hat das bei allen unglaublich eingeschlagen!

Sie leiten ja nicht nur die ECMA, sondern auch das Haydn Institut für Kammermusik an der Musik-Uni in Wien. Und seit 2005 die Internationale Sommerakademie rund um den Semmering, die heuer 25 wird. Was braucht die Kammermusik heute am dringendsten?
Meissl: Die Kammermusik braucht am dringendsten mehr mediale Unterstützung! Es gibt heute mehr hochkarätige Kammermusik als früher, es gibt heute mehr Konzerte und mehr Festivals. Aber es gibt keine Kritiken. Unsere letzte Kritik mit dem Artis Quartett ist fünf Jahre her …  www.grafenegg.com/ecma