Erstellt am 18. Oktober 2016, 09:19

von Thomas Jorda

An die gemeinsame Geschichte denken. Thomas Jorda über die Frage, was Niederösterreich und Wien verbindet. Schönbrunn und Schlosshof zeigen das ausdrücklich vor.

Niederösterreich – das Erzherzogtum Österreich unter der Enns – und die Reichshaupt- und Residenzstadt Wien hatten viele Jahrhunderte eine gemeinsame Geschichte. Bis 1918, als es nach dem Ersten Weltkrieg kein Erzherzogtum mehr gab und nur noch eine Bundeshauptstadt. Beide zusammen waren zu groß geworden für das kleine Österreich. Immerhin hatten beide mehr als die Hälfte aller Bürgerinnen und Bürger der neuen Republik.

Also lag die Trennung im Staatsinteresse und im Interesse der Parteien. Die Roten in Wien wollten mit den Schwarzen in Niederösterreich nichts zu tun haben. Und umgekehrt.

Die Trennung trat am 1. Jänner 1922 in Kraft, bis heute will keiner sie ändern. Aber allzu leicht wird vergessen, dass die Geschichte bis 1922 eben eine gemeinsame war.

Die Schloss Schönbrunn BetriebsgmbH. widmete im Vorjahr Kaiser Franz Josef eine Ausstellung in Wien und in den Marchfeldschlössern Schlosshof und Niederweiden. Nächstes Jahr wird das mit einer Schau über Maria Theresia weitergeführt.

Das hat großen Charme, denn es zeigt anschaulich, dass geistig und historisch zusammengehört, was staatsrechtlich nicht getrennt werden soll und wird. Aber das Gemeinsame über das Trennende zu stellen ist ohne Frage eine wichtige Initiative.