Erstellt am 26. November 2015, 05:18

von Abt Maximilian Heim OCist

Allein den Betern. Abt Maximilian Heim OCist (Stift Heiligenkreuz) über den christlichen Glauben, der den Hass überwindet.

In finsterer Zeit verfasste 1936 der bekannte Schriftsteller Reinhold Schneider das ergreifende Gedicht „Allein den Betern kann es noch gelingen“, das erst 1941 veröffentlicht wurde. Da er sich sehr kritisch mit dem totalitären Nationalsozialismus auseinandersetzte, z. B. in dem Gedicht „Nun baut der Wahn“, wurden seine Werke verboten: Nur knapp entging er der Verhaftung, als die Gestapo im Frühjahr 1944 seine Wohnung durchsuchte.

Als er im April 1945 wegen Hochverrats angeklagt wurde, kam es wegen des Zusammenbruchs des Nationalsozialismus nicht mehr zur Verhandlung, sodass er dem sicheren Tod nur knapp entging.
In Notzeiten sagte man früher oft: „Da hilft nur noch beten!“ Wir alle spüren, dass Sicherheitssysteme und Überwachung alleine den Frieden nicht garantieren können. Damit nicht Angst und Schrecken uns treiben, dürfen wir nicht sagen: „Wir schaffen das!“, sondern „Nur mit Gottes Hilfe“ können wir die Not überwinden und die Herzen der Menschen verwandeln. In einem christlichen Lied von Jochen Klepper, das er 1938 geschrieben hat, heißt es: „Die Hände, die zum Beten ruh’n, die macht er stark zur Tat. Und was der Beter Hände tun, geschieht nach seinem Rat.“

Wer glaubt und betet, ist nie allein. Der christliche Glaube überwindet den Hass durch eine Liebe, die bis zur Feindesliebe geht. Dies ist die Stärke des Evangeliums. In diesem Geiste möchte ich zum Abschluss das oben genannte Gedicht von Reinhold Schneider in Gänze zitieren.

Allein den Betern kann es noch gelingen / das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhalten / und diese Welt den richtenden Gewalten / durch ein geheiligt Leben abzuringen. / Denn Täter werden nie den Himmel zwingen: / Was sie vereinen, wird sich wieder spalten, / was sie erneuern, über Nacht veralten, / und was sie stiften, Not und Unheil bringen. / Jetzt ist die Zeit, da sich das Heil verbirgt, / und Menschenhochmut auf dem Markte feiert, / indes im Dom die Beter sich verhüllen, / bis Gott aus unsern Opfern Segen wirkt / und in den Tiefen, die kein Aug’ entschleiert, / die trockenen Brunnen sich mit Leben füllen.